Neue ökologische Gleisbauweise bei der SSB – Preisverleihung in Freiburg – Auf Neubaustrecke S-Dürrlewang bereits bewährt


Pressemitteilung vom 20.03.2017



Bahngleise als ökologisch wertvoller Lebensraum? – dass das funktioniert, zeigt die jüngste Auszeichnung für die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB). Das kommunale Nahverkehrsunternehmen erhielt für sein Konzept „Lebensraum Stuttgarter Gleise“ den Innovationspreis des Landes Baden-Württemberg für den Öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) in der Kategorie ‚Ökologie im Nahverkehr‘. Die Preisverleihung fand am 14. März in Freiburg auf dem ÖPNV-Innovationskongress statt, den das Verkehrsministerium Baden-Württemberg alle zwei Jahre veranstaltet.

Für die Bürger und Anwohner in Stuttgart und der Region, die entlang der Schienenstrecken für die gelben Züge der Stadtbahn Stuttgart der SSB wohnen, ist der Anblick an sich nicht neu: Die Schienenfahrzeuge scheinen über eine grüne Wiese zu fahren, aus der nur die Schienenstränge herausragen. Schon seit über 25 Jahren gehört das so genannte Rasengleis bei Neubaumaßnahmen weitgehend zur Standardbauart der SSB in ästhetisch sensiblen Bereichen des Umfeldes. Subjektiv ist eine solche Bauweise von hoher Bedeutung: Die Zustimmung der Anlieger zum Bau weiterer Strecken ist noch wesentlich größer, wenn die „grüne“ Gleisbauweise verwendet wird.

Doch die aktuelle Auszeichnung hat die SSB für eine neue Eindeckung des begrünten Bahnkörpers bekommen: das Magerwiesengleis. Sein Kennzeichen ist, dass dort vermeintlich weniger wächst als beim klassischen „Rasengleis“. Aber genau das, der spärliche, aber artenreiche Bewuchs mit krautigen Pflanzen, die mit wenig Wasser, wenig Nährstoffen und hohen Temperaturen auskommen, ist der Sinn der Sache, wie Volker Christiani, der Leiter des Stabsbereiches Planung der SSB,  erläutert: „Das ist der Charakter einer Brachfläche – und genau die ist ökologisch besonders hochwertig.“ Denn auf solchen Flächen können sich nicht einzelne konkurrenzstarke Pflanzen durchsetzen, sondern es gedeihen viele Arten nebeneinander.

Das ist kein Widerspruch: Die so genannte trockenwarme Ruderalflora in eher nährstoffarmer Ausprägung, nämlich Magerwiesenarten und Pionierpflanzen, die brach liegende Flächen gerne besiedeln, haben es in der Stadt besonders schwer. Meist werden Abbruchgrundstücke oder Flächen nach vorübergehenden großen Erdbewegungen rasch wieder bebaut und versiegelt oder sorgfältig dicht an dicht gezielt bepflanzt. So werden die Spontanflora, die sich dort vorübergehend von alleine ansiedelt, wieder verdrängt. Auf anderen Standorten haben diese Spezialpflanzen aber wenig Chancen. Ebenso schwierig ist das Überleben für die auf solche Flächen und Nahrungspflanzen spezialisierte Tierwelt, wie Wildbienen oder Laufkäfer. Auf dem Magerwiesengleis finden diese Tiere die offene Bodenstruktur, das warme Kleinklima und die lockeren Freiflächen vor, die etwa die Käferwelt für ihren Beutefang braucht, und die Wildbienen als Niststandort.

Für den Betrachter mag diese Ausführung, deren Bewuchs bewusst schütter bleibt, aus der Nähe betrachtet trotz der größeren Blütenfülle optisch nicht ganz so attraktiv wirken. Die Bestände sind nämlich nicht so ganz sattgrün und dichtwüchsig wie herkömmliche Rasengleise, sondern können im Sommer auch einmal fast völlig austrocknen. Für die Untere Naturschutzbehörde der Landeshauptstadt beim Amt für Umweltschutz, mit der zusammen die SSB das neue Magerwiesengleis entwickelt hat, gilt die neue Möglichkeit der Eindeckung der Gleise mit Magerwiesen hingegen als hoch bedeutsam. Denn der Bahnkörper bleibt dauerhaft in dieser Form erhalten, sozusagen als ökologisches Band durch die Stadt. Daher erkennt die Behörde den Bau eines solchen Magerwiesengleises sogar als ökologische Ausgleichsmaßnahme zur Minderung des Eingriffs an. Auch für den Bahnbetreiber hat die Bauweise Vorteile: Das teure und für die Mitarbeiter gefährliche Mähen des Bewuchses unter laufendem Betrieb reduziert sich, und eine weitere Pflege ist nicht nötig. „Dabei sind die Baukosten nicht höher als beim bisherigen Rasengleis“, erklärt Alexander Schirling, der bei der SSB den Fachbereich Gleisbau leitet. Die neue Eindeckung ist seit Mai 2016 erstmals in Stuttgart-Vaihingen beim neuen Streckenast nach Dürrlewang von der SSB angewandt worden. Als nächstes soll eine gänzlich mahdfreie Version bei der U12 am Hallschlag sowie bei der U6 zum Flughafen folgen. Nach rund einem Jahr der Beobachtung kommen die SSB und das Stuttgarter Amt für Umweltschutz zu der Einschätzung, dass das Magerwiesengleis die Erwartungen erfüllt und sich bewährt hat. Dies würdigte auch Verkehrsminister Winfried Hermann bei der Preisverleihung in Freiburg.

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