Unter der Heilbronner Straße zwischen Hauptbahnhof und Stadtbibliothek: Stadtbahn fährt ab April auch stadtauswärts durch neue Tunnelröhre


Pressemitteilung vom 27.03.2017



Tunnel gegraben werden viele: Ein Neubau ist anspruchsvoll und spannend. Was jedoch die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) gemeinsam mit dem Tiefbauamt der Landeshauptstadt Stuttgart seit 2013 direkt am Rande der Stuttgarter Innenstadt betreibt, ganz nah am pulsierenden Herz der Stadt, ist besonders originell: Unter der Heilbronner Straße, einer der Hauptverkehrsrouten der Landeshauptstadt, wurden zwei neue Tunnelröhren an den alten zweigleisen Tunnel angeschlossen. Dazu musste die bestehende, etwa einen Meter dicke Tunnelwand auf rund 70 bis 90 Meter Länge entfernt werden.

Für die Ingenieure gab es hierbei neben den statischen Aufgaben eine weitere besondere Anforderung: Der Betrieb der Stadtbahn musste ohne Einschränkung weiterlaufen. Eine eigens dafür eingebaute Schutzwand trennte deshalb den bestehenden Stadtbahntunnel von der Baustelle direkt dahinter. Dieser schwierigste Teil der Aktion, an zwei Stellen des alten, 1977 gebauten Tunnels, ist längst absolviert, sprich im Rohbau bereits 2015 fertiggestellt. Und - worauf die Fachleute der SSB gerne verweisen – „ohne dass die Fahrgäste irgendetwas davon gemerkt haben“, wie Mona Indlekofer betont, die Projektsteuerin der SSB für dieses anspruchsvolle Tiefbauwerk des städtischen Nahverkehrsunternehmens.

Das betrifft fast auch den ersten Teil der Inbetriebnahme des neuen Tunnelbauwerks: Bereits Ende November 2016, über ein verlängertes Wochenende, haben die Bau- und Betriebsleute der SSB die beiden Nahtstellen für das einwärts führende Gleis innerhalb von gut 50 Stunden vom Bau- in den Betriebszustand verwandelt. Gleise, Kabelkanäle, Signalanlagen, Fahrleitung und Zubehör wurden in den Anschlussbereichen in ausgetüftelter Logistik vom alten Tunnelmund in den neuen verschwenkt. Zwar mussten die SSB-Kunden an diesen beiden Tagen dort vorübergehend auf die Nutzung der Stadtbahn zwischen Hauptbahnhof und Stadtbibliothek verzichten. Dafür gab es zuvor und danach keinerlei Einschränkungen.

So wird es auch wieder am zweiten Wochenende im April sein, wenn der zweite Teil des so genannten Umschlusses vorgenommen wird. Da also kommt die stadtauswärts führende Tunnelröhre an die Reihe. Von Freitagabend, 7. April, bis einschließlich 9. April gibt es dann erneut eine Vollsperrung dieses Abschnittes – alles bereits in bewährter Weise.

Letzte Baugrube wird geschlossen

Wer die Tunnelbaustelle jetzt betritt, im Frühjahr 2017, erkennt den gravierenden Unterschied gegenüber dem letzten Pressetermin im Hochsommer 2016: Damals tat sich zwischen Stadtbibliothek, Heilbronner Straße und Einkaufszentrum noch eine zwei Fußballfelder große Baugrube auf, vorne und hinten flankiert von den provisorischen offenen Tunneleingängen. Denn diese dienten als Ausgangsbasis und Zufahrt für die Tunnelbauer in den Stollen. Jetzt sind die dazwischen fehlenden Tunnelabschnitte für die abzweigende Linie U12 ergänzt. Bis in den Sommer 2017 läuft im Inneren der nun eingefügten letzten Tunnelabschnitte des Abzweiges der Endausbau mit Gleisen und Zubehör. Anschließend folgt die Verfüllung der Baugrube, so dass nur noch ihre Oberfläche vorläufig  sichtbar bleibt. Somit wird das letzte freie Baufeld an der Heilbronner Straße in absehbarer Zeit, ab Ende 2017, von der Baustelleneinrichtung frei gemacht.

Unter den Bereichen, auf denen Gewerbe- oder Wohngebäude entstehen oder entstanden sind, ist der Gleiskörper auf einem Masse-Feder-System verlegt: Es sorgt dafür, dass Erschütterungen, die vom Fahrzeug ausgehen könnten, abgefangen werden und sich somit nicht vom Gleis auf das Bauwerk und weiter auf das Erdreich übertragen. Dazu werden der Gleisschotter sowie die Schwellen und Schienen in einen schweren Betontrog (die Masse) eingebaut, der auf Hartgummilagern aus so genanntem Elastomere (die Feder) aufliegt. Dadurch ist der Trog schalltechnisch vom Tunnelbauwerk getrennt.

Die beiden nun ersetzten alten Tunnelabschnitte der SSB entfallen im Bereich des neuen Tiefbahnhofs der Deutschen Bahn AG auf rund 90 Metern ganz – dies war der Anlass, dass die SSB im Rahmen der so genannten Folgemaßnahmen zum Bauprojekt Stuttgart 21 neue Tunnelabschnitte geschaffen hat, die unter dem künftigen Tiefbahnhof hindurchführen. Rund 400 Meter der bisherigen Röhre werden komplett und kraftschlüssig mit einem speziellen Dämmmaterial verfüllt. Somit sind diese Teilstücke dauerhaft standsicher, brauchen aber nicht mehr unterhalten werden und sind auch nicht mehr zugänglich, so Bernd Schröder, Projektleiter Stadtbahn vom Tiefbauamt Stuttgart.

Was für die SSB weiter noch zu tun bleibt und bis gegen Jahresende auch erfolgt, ist die Fertigstellung des restlichen Streckenabschnittes für die Linie U12. Für sie sind die neuen Abzweige im Tunnel entstanden. Die Strecke führt im endgültigen Zustand zwischen Hauptbahnhof und Milchhof auf der Brücke über die Wolframstraße. Dort liegt auch die neue Haltestelle Budapester Platz. Neben der Haltestelle auf der Brücke befinden sich zwei begleitende Gehwege, wovon bereits seit Juni 2016 die stadteinwärts führende Seite geöffnet ist. Die Gehwege werden auch für den Radverkehr freigegeben, wodurch eine neue bequeme Radwegverbindung zwischen Rosensteinviertel und dem Europaviertel entsteht.

Ab 9. Dezember 2017 wird die U12 durchgehend von Dürrlewang über das Europaviertel und die neue Strecke Hallschlag – Aubrücke bis nach Remseck durchfahren und als 80-Meter-Zug verkehren. Der Termin wird kombiniert mit dem generellen Fahrplanwechsel der SSB und der anderen Verkehrsunternehmen im Gebiet des Verkehrs- und Tarifverbundes Stuttgart (VVS) einen Tag später, am 10. Dezember, so dass es für die Kunden nur eine Umstellung gibt. In den Tagen vor dem 9. Dezember wird auch die Neubaustrecke über den Budapester Platz auf der Seite Milchhof mit den bestehenden Gleisanlagen der U12 verbunden.  

Fakten

I. Stadtbahnlinie U12
Neubauabschnitte
a) Mitte: Europaviertel (teils fertig, Endausbau bis 12/2017)
b) Süd: Dürrlewang (seit Mai 2016 in Betrieb)
c) Nord 1: Löwentor – Hallschlag (seit 2013 in Betrieb)
d) Nord 2: Hallschlag – Aubrücke (im Bau, Endausbau bis 12/2017) 

II. Folgemaßnahme zu S21
- Verlegung der Tunnelröhren unter der Heilbronner Straße zwischen Hauptbahnhof und Türlenstraße („Stammstrecke“) von alter in neue Lage (vertikal und horizontal verschoben, rund 60 Meter nach Westen)
- bergmännischer Vortrieb in Kombination mit Tunnelblöcken, die in offener Baugrube errichtet werden

Tunnelröhren
- 440 Meter für die U12
- 1030 Meter für die S21-Folgemaßnahme
- Ausbruchsquerschnitte zwischen 45 und 115 qm
- Verbindungstunnel (Querschlag) zwischen den einwärts und auswärts führenden Röhren für die U5/U6/U7/U12/U15 als Fluchtweg
- 150 Tunnelmeter zwischen den neuen bergmännisch gebauten Röhren und dem Bestandstunnel werden in offener Bauweise in den beiden Baugruben hergestellt
- Die Baugruben waren bis zu 20 Meter tief, teils rund 30 Meter breit und rund 80 Meter lang

Chronik

2009
Bau Tunnelblöcke unter künftiger Stadtbibliothek

2010
Montage des „Stuttgart-Portals“ am Tunnelmund Europaviertel

2013
Baubeginn Stadtbahnbrücke über die Wolframstraße; Beginn Bauvorbereitung am K.-G.-Kiesinger-Platz; Tunnelanschlag mit Tunnelpatinnen Andrea Krueger und Veronika Kienzle (Bezirksvorsteherinnen); Beginn bergmännischer Vortrieb

2014
Tunneldurchschlag, Abschluss bergmännischer Vortrieb, Beginn Tunnelinnenschale

2015
Fertigstellung Anschlussbauwerk Baugruben K.-G.-Kiesinger-Platz und Türlenstraße (Verbindung zwischen alten und neuen Tunnelabschnitten); Abschluss Betonarbeiten Tunnelinnenschale; Fertigstellung Stadtbahnbrücke Wolframstraße

2016
Juni: Beginn Gleisbau in Neubautunnels

21. November 2016
Inbetriebnahme Röhre 302 (stadteinwärts)

10. April 2017    
Inbetriebnahme Röhre 301 (stadtauswärts), d.h. Verschwen-kung der Gleisverbindung zwischen neuem Tunnel und Bestandstunnel

9. Dezember 2017  
Inbetriebnahme neue Tunnelabzweige für Linie U12 durch das Europaviertel inklusive Stadtbahnbrücke über die Wolfram-straße und Neubaustrecke der U12 bis zum Milchhof

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