SSB: Bilanz 2016 gut- Zukunft ungewiss


Pressemitteilung vom 27.06.2017



Die SSB legt für 2016 in Summe ein gutes Ergebnis vor. Mit einen Defizit von 20,8 Millionen Euro schließt sie besser als geplant ab und bewegt sich deutlich unter den 25 Millionen Euro, welche die jährliche maximale Leistungsfähigkeit der städtischen Holding SVV darstellt. 2016 erreicht die SSB einen Kostendeckungsgrad von 94,1 Prozent. „Und das, obwohl wir 2016 unseren Planansatz bei den Fahrgeldeinnahmen erstmals seit vielen Jahren trotz Fahrgastwachstum nicht ganz erreichen konnten“ erklärt Stefanie Haaks, die kaufmännische Vorständin der SSB.

Die Fahrgastzahlen der SSB steigen, der Nahverkehr ist in Stuttgart gefragt, der Stuttgarter Nahverkehrsanbieter hat das Vertrauen seiner Stadt auch für die Zukunft. Beste Voraussetzungen für die SSB, ihr Angebot weiterhin auszubauen und zu verbessern. Da der Verkehrsbetrieb nicht kostendeckend ist, steigt mit jeder Erweiterung allerdings auch das Defizit der SSB. Umso schwieriger wird die Planung angesichts der schwierigen Finanzierungssituation. „Die Schere zwischen Erwartungen an die Leitungsfähigkeit des ÖPNV und finanzielle Ausstattung seiner Förderinstrumente geht immer weiter auseinander“ fasst der Technische Vorstand und Vorstandssprecher der SSB Wolfgang Arnold zusammen. Auf den Weg gebracht wurde die Förderung der Ersatzbeschaffung und Sanierung von Schienenfahrzeugen durch das Land Baden-Württemberg, allerdings lediglich für drei Jahre mit einem jährlichen Volumen von 20 Millionen für ganz Baden-Württemberg. Für die bei der SSB zur Kapazitätssteigerung erforderlichen zusätzlichen Fahrzeuge gibt es nach wie vor keine Förderung. Zu begrüßen ist die 2016 von Bund und Ländern beschlossene Fortführung, Erhöhung und Dynamisierung der Regionalisierungsmittel, die in erster Linie dem Regionalverkehr mit Eisenbahnen (SPNV) zugutekommen wird. Die erfolgte Einigung über die Fortführung des GVFG-Bundesprogramms, das Infrastrukturinvestitionen über 50 Millionen Euro fördert, hat den Haken, dass dessen Volumen unverändert auf dem Niveau der letzten 20 Jahre verharrt; also keine Aufstockung und Dynamisierung der Fördermittel. Die 2019 auslaufende zweckgebundene ÖPNV-Förderung über Entflechtungsmittel, die in Baden-Württemberg das Landes-GVFG speist, wird durch eine höhere Zuweisung aus dem Umsatzsteueraufkommen vom Bund an die Länder kompensiert. Diese Mittel sind allerdings nur dann für ÖPNV-Investitionen gesichert, wenn auf Landesebne deren Zweckbindung geregelt wird. Für die Bedienung ihres expandieren Netzes und für die Bereitstellung zusätzlicher Beförderungskapazitäten benötigt die SSB zusätzliche Stadtbahnen. Darüber hinaus braucht sie neue Fahrzeuge, um die ältesten mittelfristig zu ersetzen. Die SSB wird, wie in der aktuellen, dritten Fortschreibung des Luftreinhalteplans für die Landeshauptstadt vorgeschrieben, ab 2018 im Talkessel Busse mit möglichst emissionsarmen Antrieben einsetzen. Dazu müssen vorzeitig Fahrzeuge ersetzt werden. Auch die Fahrzeuge der Zahnradbahn müssen in den nächsten Jahren erneuert werden. Die Instandhaltung des mittlerweile über 30 Jahre alten Streckennetzes der Stadtbahn hat bereits begonnen. Die SSB muss in den nächsten zwei Jahren rund 200 Fahrerinnen und Fahrer einstellen und ausbilden. „Die SSB ist eine attraktive Stuttgarter Arbeitgeberin. Die Stuttgarter Straßenbahn ist ein gut organisiertes Team, in das man gerne einsteigt. Das erfahren wir immer deutlicher, das sagen wir aber auch immer deutlicher, weil wir qualifizierte neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter suchen,“ bekräftigt die Arbeitsdirektorin der SSB, Dr. Sabine Groner-Weber.

Der Jahresabschluss in Zahlen

Nicht nur die Fahrgastzahlen sind gestiegen, auch die Fahrgeldeinnahmen haben 2016 zugenommen. Anteil daran haben vor allem Einnahmen im Berufsverkehr und digitale Angebote. Fünf Prozent mehr FirmenTickets und eine Million Handytickets mehr als im Vorjahr verzeichnet die SSB 2016. Seit der Einführung im September 2016 erlebt auch das Ausbildungs-Abo eine stark steigende Nachfrage.

2016 steigen die Einnahmen der SSB im Vergleich zum Vorjahr um 1,4 Prozent. 38 Prozent der Einnahmen stammen 2016 aus vor allem von Abonements geprägtem Berufsverkehr. Im Gelegenheitsverkehr mit einem Anteil von 33 Prozent bleiben die erwarteten Einnahmen um 2,5 Prozent unter den Planungen. Im Gelegenheitsverkehr ist der Einfluss des Feinstaubtickets in der ersten Winterhälfte 2016/17 am deutlichsten. Den höchsten Anteil an den Fahrten hat mit 39 Prozent der Ausbildungsverkehr, der im Vergleich zu 2015 um 1,6 Prozent stieg und dennoch seine Planung um 0,6 Prozent verfehlt.

Die Bilanzsumme der SSB beträgt für 2016 705,4 Millionen Euro, die Eigenkapitalquote ist im Vergleich zum Vorjahr um 1,9 Prozent gesunken. Die Eigenkapitalquote wird vermutlich auch weiterhin sinken, da die anstehenden Investitionen insbesondere in neue Stadtbahnen mehr Kapital binden und die externe Finanzierung steigen wird. Die Umsatzerlöse der SSB sind im Vergleich zum Vorjahr um 1,2 Prozent gestiegen.

Um 15,8 Millionen Euro hat sich der Wert des Sachanlagevermögens durch neue Stadtbahnen und Stadtbahnausbau erhöht. Ebenfalls gestiegen, um 53,9 Millionen Euro, ist die Höhe der Verbindlichkeiten, auch dies ist hauptsächlich durch die Stadtbahnbeschaffung ausgelöst.

2016 in SSB-Themen

Netz 2016

2016 ist bei der SSB das Jahr mit einem besonderen Stadtbahn-Liniennetz in der Innenstadt, eine Herausforderung für das Verkehrsunternehmen und seine Kunden. Ab Pfingsten wurde das Stadtbahnnetz der SSB neu konfiguriert, weil die Tunnelverbindung zwischen Staatgalerie und Charlottenplatz als Folge der Baumaßnahmen an der Haltestelle Staatsgalerie unterbrochen werden musste. Diese „Netz 2016“ gilt noch bis Dezember 2017 und ist trotz steigender Fahrgastzahlen bis zum heuteigen Tag sehr stabil, und ganz und gar nicht chaotisch, wie Verantwortlichen prophezeit wurde. Diese Stabilität wird Maßstab für das Netz 2018 sein, das die SSB im Dezember in Betrieb nimmt, wenn die Tunnelstrecke Staatsgalerie – Charlottenplatz wieder befahren werden kann und der Abschnitt Staatsgalerie – Hauptbahnhof unterbrochen wird.

Ab September 2016 fuhr die Linie U19 tagsüber im 10-Minuten-Takt von Neugereut zum Neckarpark (Stadion), um die U2 im Bereich Neugereut-Wilhelmsplatz zu entlasten. Das Angebot muss im Sommer 2017 aber vorerst noch einmal pausieren, weil nicht genügend Fahrpersonal zur Verfügung steht. Ab Oktober 2017 fährt die U19 dauerhaft. Sie hält dann zusätzlich an der Haltestelle Wasen.

Polygo

2016 wurde die polygoCard als elektronisches Ticket für Abonnenten im VVS eingeführt Das Projekt zur Etablierung der Tickets ist abgeschlossen, derzeit betreut der VVS die Weiterentwicklung von polygo kommissarisch.

Gebaut

Im Mai 2016 eröffnete die SSB die neue Strecke der U12 zwischen Wallgraben und Dürrlewang.
Die Haltesstelle Wilhelma ist im Umfeld der Bauarbeiten des Rosensteintunnels direkt vor dem Kassenpavillon neu entstanden.

Linksabbieger

2016 startet die SSB eine Aufmerksamkeitskampagne „Achtung, links fährt die Bahn“, in der sie auf Postern, in Video- und Audiospots und einer Straßenaktionen in Zusammenarbeit mit der Verkehrswacht dafür wirbt, nicht verbotenerweise nach links über die Schienen der Stadtbahn abzubiegen. Die Resonanz ist durchweg positiv, besonders der Videoclip und die Straßenaktion haben viel Aufmerksamkeit bekommen.

Es gab noch weitere wichtige Themen: Die SSB hat 2016 ihren über Jahre andauernden Ausbau der Haltestellen für einen barrierefreien Zugang mit dem zweiten Aufzug an der Haltestelle Österreichischer Platz abgeschlossen, hat im Mai 2016 die Charta der Vielfalt unterzeichnet, hat die Fahrgäste in einer Umweltkampagne auf ihre ökologischen Vorzüge aufmerksam gemacht, die erste neu gebaute Tunnelröhre zwischen den Haltestellen Hauptbahnhof und Stadtbibliothek angeschlossen, und im Übrigen trotz des Hype um Pokémon Go die betriebliche Sicherheit stets gewahrt gesehen.


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