SSB treibt Ausbau des Stuttgarter Nahverkehrs voran - Finanzierungsbedarf wird steigen


Pressemitteilung vom 11.12.2017



Voraussichtlich wird die SSB erstmals im Jahr 2018 ein Defizit oberhalb der 25 Millionen-Euro-Grenze erzielen. Die 25 Millionen Euro galten bisher als maximal vorgegebenes Ausgleichsvolumen. In den letzen Jahren hatte die SSB jeweils Abschlüsse vorgelegt, die diesen Betrag teilweise deutlich unterschreiten. Der Wirtschaftsplan für 2018 geht vorläufig von einer Unterdeckung von 26,3 Millionen Euro aus. Für die folgenden Jahre prognostiziert die Kaufmännische Vorständin der SSB, Stefanie Haaks, zusätzlich steigenden Finanzbedarf: „ÖPNV als Teil der Daseinsvorsorge kann innerhalb der aktuellen Rahmenbedingungen nicht kostendeckend betrieben werden. Um den bereits heute vorliegenden Kapazitätsbedarf abdecken zu können, bauen wir unser Angebot jetzt und in den nächsten Jahren stark aus. Diese zusätzlichen Leistungen der SSB werden unser finanzielles Ergebnis daher entsprechend belasten.“

Im Ergebnis bereits berücksichtigt ist jeweils eine Million Euro in den Jahren 2018 und 2019 für die Maßnahmen im Rahmen des Bündnisses für Mobilität.

Die SSB rechnet für das Jahr 2018 mit einem Finanzierungsbedarf von rund 150 Millionen Euro. Ein Drittel davon ist für Stadtbahnbauvorhaben geplant, ein weiteres Drittel wird in neue Busse und Stadtbahnen fließen. Auch der Finanzierungsbedarf für die Instandhaltung der Infrastruktur wird steigen.

Im Sommer 2017 sprach die Stadt Stuttgart der SSB einen zweckgebundenen Investitionszuschuss von 72,5 Millionen Euro zu. Davon sind 40 Millionen Euro für die Beschaffung weiterer 20 Stadtbahnen vorgesehen, 25 Millionen Euro dienen dem Bau eines vierten Betriebshofs im Nordwesten der Stadt, und 7,5 Millionen Euro sollen für drei neue Zahnradbahnfahrzeuge verwendet werden. Dabei ist eine Mitfinanzierung durch die SSB jeweils in Höhe der anderen Hälfte vorgesehen. Die damit einhergehenden notwendigen weiteren Investitionen, wie beispielsweise der barrierefreie Ausbau der Haltestellen der Zahnradbahn und Anpassungen in deren Werkstatt, sind aktuell vollumfänglich von der SSB zu tragen. Ob es dafür Zuschüsse geben wird, ist aktuell ungewiss. Für Teile dieser Vorhaben ist daher die Gegenfinanzierung noch nicht gesichert.

Frau Haaks fasst zusammen: „Für die Unterstützung der Landeshauptstadt und das damit in uns gesetzte Vertrauen sind wir sehr dankbar, und natürlich sind wir darauf auch stolz. Aber jeder Ausbau unseres Angebotes stellt uns auch vor neue Problemfelder. Bereits die offene Finanzierung der künftigen Vorhaben macht die wirtschaftliche Planung für ein defizitäres Unternehmen, das auf öffentliche Zuschüsse angewiesen ist, zu einer großen Herausforderung und erfordert eine hohe Professionalität. Dem stellen wir uns gern.“ Bezüglich der Herausforderung der dauerhaften Finanzierung des ÖPNV ergänzt der Technische Vorstand der SSB, Wolfgang Arnold, auch in seiner Eigenschaft als Landesgruppenvorsitzender des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV): „Die bewährten Finanzierungsinstrumente der Öffentlichen Hand brauchen eine angemessene, langfristig gesicherte Mittelausstattung. Nur dann können die Verkehrsunternehmen zeitgemäße Infrastruktur und Fahrzeuge bereitstellen, die ein Verkehrswende ermöglichen.“

Die im Wirtschaftsplan abgebildete Personalplanung ist auf der Basis des Fahrplanwechsels 2017/2018 erstellt; zusätzliche Ausbaustufen werden zusätzliche Personalbedarfe nach sich ziehen. „Das ist angesichts der Arbeitsmarktlage in Stuttgart eine immense Herausforderung, auf die wir uns einzustellen haben“ erklärt die Arbeitsdirektorin der SSB, Dr. Sabine Groner-Weber, dazu.


Das SSB-Angebot wird wachsen

Die SSB hat ihr Angebot in den letzen Jahren ausgebaut und wird in den kommenden Jahren an weiteren Verbesserungen arbeiten, weitere Angebote schaffen, ihren Fahrgästen zusätzlichen Nutzen bieten und damit den Nahverkehr in Stuttgart zukunftsfähig machen. Dazu wird sie einerseits Infrastruktur ausbauen, aber auch mehr Fahrerinnen und Fahrer bei Stadtbahn und Bus beschäftigen, zusätzliche Linien schaffen, innovative Fahrzeugtechnik einsetzen, sowie ihre Vertriebswege modern, digital und zugänglich auf die Kundenbedürfnisse zuschneiden. Gleichzeitig wird der Bedarf für Instandsetzungen im bereits bestehenden Netz aufgrund der hohen Inanspruchnahme steigen.

Die aktuell geplanten Verbesserungen im SSB-Netz sind mit dem Fahrplanwechsel 2017/18 fast vollständig umgesetzt. Dies gilt für zwei zusätzliche Züge auf der U8 in den Morgenstunden, die U19 zum Neckarpark als Entlastung für die U2, und die U13 alle 7,5 Minuten nach Giebel am Nachmittag. Seit dem 9. Dezember fährt auch die U12 mit 80 Meter langen Zügen durch das Europaviertel, den Hallschlag und das Neckartal bis Remseck. Die U14 wendet bereits in Mühlhausen. In einem Jahr wird es zwischen Bad Cannstatt und der Stuttgarter Innenstadt eine Schnellbuslinie geben, die mit einem dichten Fahrplanangebot, die Stadtbahnlinie U1 verstärken wird. Verstärkungsfunktion wird auch die neue Linie U16 haben, die ab dem Jahresfahrplan 2019 zwischen Fellbach und Giebel alle zehn Minuten zu den Spitzenzeiten verkehren wird.

Trotz gestiegener Finanzierungsanteile, die sich aus erwarteten Kostensteigerungen und reduzierter öffentliche Förderung ergeben, werden am 11. Dezember im SSB-Aufsichtsrat, sowie am 12., beziehungsweise 14., Dezember in den Gremien der Stadt Leinfelden-Echterdingen und des Landkreises Esslingen die Baubeschlüsse für die Verlängerung der Stadtbahnlinie U6 zum Flughafen und zur Landesmesse erwartet. Baubeginn dieser wichtigen Neubaustrecke, die von der derzeitigen Endhaltestelle Fasanenhof Schelmenwasen nach Süden führt, soll Mitte 2018 sein. Mit einer voraussichtlichen Bauzeit von rund drei Jahren ist die Inbetriebnahme der verlängerten U6 noch im Jahr 2021 zu erwarten.

Das Maßnahmenpaket für die Verlängerung der S2 von Filderstadt nach Neuhausen auf den Fildern befindet sich in der Planfeststellung, die Erörterung ist im ersten Halbjahr 2018 zu erwarten. Die detaillierte Kostenermittlung, die Grundlage des GVFG-Zuschussantrags ist, wird derzeit vorbereitet. Ebenso findet bei den Planungen zur Verlängerung der U5 bis zum Neuen Markt in Leinfelden derzeit die Kostenermittlung statt, die Planfeststellung wird vorbereitet.


Mittelfristiger Ausbau

Mittelfristig plant die SSB, ihre Leistungen mit fünf konkreten Projekten im Zeitraum ab 2020 auszubauen. Die U19 soll von der Haltestelle Neckarpark (Stadion) bis vor das Mercedes-Benz-Museum verlängert werden. Die Zahnradbahn soll barrierefrei ausgebaut werden. Dazu sind neue Fahrzeuge, eine auf diese Fahrzeuge abgestimmte Werkstatt und baulich entsprechend angepasste Haltestellen notwendig. Um die Kapazitäten der Tallängslinien zu vergrößern, soll die U1 mit 80 Meter langen Zügen verkehren. Sie wird dann zwischen Fellbach und Heslach Vogelrain fahren. Vaihingen wird dann von der U14 angesteuert, die seit dem 10. Dezember 2017 bis Mühlhausen fährt. Der notwendige Ausbau von 13 Haltestellen entlang der U1 mit 80 Meter langen Bahnsteigen ist dafür die Voraussetzung. Mit dem Ausbau der sogenannten Möhringer Kurve am Möhringer Bahnhof kann eine direkte Gleisverbindung zwischen den Talquerlinien und Plieningen geschaffen werden.

Mit der Umsetzung dieser Planungen wird auch der Bedarf an Stadtbahnzügen bei der SSB steigen, was weitere Abstellmöglichkeiten erfordert. Die SSB bereitet derzeit gemeinsam mit der Stadt die Planung eines vierten Stadtbahn-Betriebshofs im Nordwesten Stuttgarts vor.

Ab 2018 wird die SSB das Stuttgarter Innenstadtgebiet ausschließlich mit Bussen bedienen, die, wenn es sich um Busse mit konventionellem Dieselantrieb handelt, mindestens die Abgasnorm Euro VI erfüllen, oder über einen innovativen Antrieb verfügen. Auf der in rund einem Jahr zwischen Bad Cannstatter Wilhelmsplatz und Stuttgarter Innenstadt verkehrenden Schnellbuslinie sollen verschiedene innovative Lösungen erprobt werden: Gemeinsam mit den Fachämtern der Landeshauptstadt entwickelt die SSB neue Lösungen bei Infrastruktur und Signalisierung, um angemessene Fahrzeiten und Betriebsstabilität dieses die U1 verstärkenden Busangebots zu erreichen. Auch innovative Antriebskonzepte für Busse sollen auf der Schnellbuslinie erprobt werden. Technikvorstand Wolfgang Arnold sieht in der Migration der konventionell angetriebenen Busflotte zu einem Fahrzeugbestand, bei dem elektrische Antriebslösungen dominieren, große Herausforderungen in zweierlei Hinsicht: Zum einen müssen sich die hohen Erwartungen an Klima- und Umweltverträglichkeit, die mit der Einführung von E-Bussen verknüpft sind, in der Praxis im ganzheitlich bilanzierten Lebenszyklus bestätigen. Zum andern dürfen diese innovativen Lösungen zentrale Eigenschaften des Busverkehrs, nämlich hohe betriebliche Flexibilität und wirtschaftliche Betriebsführung, nicht in Frage stellen.


Aktuelle Neuerungen

In der Folge von Stuttgart 21 hat die SSB zum Fahrplanwechsel am 10. Dezember vom Netz 2016 auf das Netz 2018 umgestellt. Der Bau der Tunnel zwischen Charlottenplatz und Staatsgalerie ist abgeschlossen. Jetzt beginnen die Arbeiten an den neuen Verbindungstunneln zur Stadtbahnhaltestelle Hauptbahnhof und an der neuen Haltestelle Staatsgalerie.

Im Zuge des Bündnisses für Mobilität hat der Stuttgarter Gemeinderat fraktionsübergreifend eine Million Euro für verbessernde Ergänzungen im Busverkehr zur Verfügung gestellt. Diese zusätzlichen Angebote werden zum Fahrplanwechsel 2017/18 umgesetzt.

Seit dem Fahrplanwechsel am 10. Dezember 2017 bedienen die SSB die Stuttgarter Innenstadt-Buslinien ausschließlich mit emissionsarmen Bussen, die die Normen nach Euro VI erfüllen oder wie die Brennstoffzellen-Hybridbusse oder die Diesel-Hybridbusse einen innovativen Antrieb haben. Ziel ist, auf diese Weise einen Beitrag zur verbesserten Luftqualität im Stuttgarter Talkessel zu leisten. Die Fahrgäste können die Innenstadt-Busse an einem Signet über der Einstiegstür der Busse erkennen, das auch die Antriebstechnologie des jeweiligen Busses nennt. Eine Plakatkampagne begleitet die Initiative. Die 70 eingesetzten Busse sind bereits Bestandeil der SSB-Busflotte.


Geburtstag: Die SSB wird 150

1868 gründete Georg Schöttle die Stuttgarter Pferdeeisenbahn-Gesellschaft. 1889 erfolgte die Fusion dieser Gesellschaft mit der 1886 gegründeten Neuen Stuttgarter Straßenbahngesellschaft, Lipken & Cie., zu den Stuttgarter Straßenbahnen, einer Aktiengesellschaft. Die SSB feiert 2018 nicht nur mit der Straßenbahner-EM am 5. Mai auf dem Möhringer SSB-Gelände, mit einem Wimmelbuch, mit einem Buch zur SSB-Geschichte, mit geführten Stadtspaziergängen, mit einer mobilen Ausstellung, dem Buseum, mit einer neuen Ausstellung in der Straßenbahnwelt und einer Ausstellung am Charlottenplatz sondern auch mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Rahmen eines Mitarbeiterfestes ihren Geburtstag.


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