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Philosophie Unternehmer

Kosten senken, Umsatz steigern, Ergebnis verbessern

Die SSB muss den unterschiedlichsten Kundengruppen gerecht werden: Vom Kleinkind zum Senior, vom Berufspendler zum Arbeitslosen und vom Student bis zu mobilitätseingeschränkten Fahrgästen. Dabei spielen neben der Sicherheit auch Betriebsangebot, Service, Komfort und Tarifstruktur eine Rolle.

Doch neben einem attraktiven Betriebs- und Tarifangebot muss die SSB auch unternehmerische Ziele verfolgen. Bereits vor knapp zehn Jahren hat die SSB zusammen mit einer externen Unternehmensberatung einen Restrukturierungsprozess begonnen, der 2010 abgeschlossen werden konnte. Dieser brachte Produktivitätssteigerung, Kostensenkung und Umsatzsteigerungen.

Jedes Jahr versucht die SSB zusammen mit allen im VVS angeschlossenen Unternehmen, Landkreisen und Verbänden die Tarife zu verbessern. Oberstes Ziel der SSB ist es die Umsätze zu steigern, weil sich das direkt auf das Betriebsergebnis auswirkt. Zusätzliche Erlöse aus Werbung, Bauleistungen, durch das eigene Reiseunternehmen und Fremdleistungen in den Werkstätten tragen zu einer positiven Entwicklung bei.

Der Kostendeckungsgrad liegt derzeit bei 90 Prozent.

Ziele der Restrukturierung und verbindliche Zusage

Ausgehend von Wettbewerbsanalysen wurden die Kosten für die drei wesentlichen Marktsegmente Busverkehr, Schienenverkehr und Instandhaltung ermittelt. Dabei identifizierte man vier Problemfelder, in denen im Laufe der kommenden Jahre Verbesserungen realisiert werden sollten.

Ziele der Restrukturierung:

  • die Steigerung der Produktivität des Unternehmens durch Umorganisation und Prozessoptimierung,
  • der Abbau des Gehaltsunterschiedes zu Wettbewerbern durch Abschluss eines neuen Tarifvertrages,
  • die Bestandssicherung für die betriebliche Zusatzversorgung durch Anpassung bestehender Regelungen
  • sowie die Identifizierung von Sonderbelastungen für die SSB

Im Jahr 2001 machte der Gemeinderat der Stadt Stuttgart verschiedene Vorgaben, unter welchen Bedingungen zukünftig die Leistungen ser SSB erbracht werden sollten. Dabei sollte das Unternehmen nicht aufgeteilt oder privatisiert werden sollte, sondern als Ganzes erhalten bleiben. Dazu musste sich die Stadt Stuttgart jedoch zu ihrer Tochter SSB bekennen.

Die verbindliche Zusage erfolgte 2002. Damit war eine Ausschreibung der SSB-Verkehrsleistungen und eine Veräußerung von SSB-Anteilen bis zum 31.12.2009 ausgeschlossen. Im Gegenzug verpflichtete sich die SSB als Kommunalunternehmen, weiterhin den ÖPNV in der bisherigen Qualität zu erbringen und im Rahmen des finanziell Machbaren zu verbessern. Zudem versicherte die SSB der Stadt, ihre Wettbewerbsfähigkeit durch einen permanenten Restrukturierungsprozess nachhaltig zu erreichen und nachzuweisen. Durch den Abschluss eines neuen Tarifvertrages konnte auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet und bestehende Arbeitsplätze gesichert werden.

Ablauf der Restrukturierung

Die Restrukturierung folgt einer abgestuften Vorgehensweise: Zunächst werden alle Unternehmensfunktionen einem differenzierten Benchmarking unterzogen, damit ein Vergleich zum durchschnittlichen Kostenniveau auf dem Markt hergestellt werden kann. Anschließend werden aus dem Benchmarking Ansatzpunkte zur Verbesserung von Kostenstruktur, Qualität und Leistung abgeleitet. Darauf aufbauend werden die einzelnen Geschäftsprozesse analysiert und neu gestaltet. Letztendlich wird die gesamte Wertschöpfungskette der SSB unter einer ganzheitlichen Perspektive optimiert. Flankiert wird die Restrukturierung von weiteren unterstützenden Maßnahmen. Beispielsweise brachte das zweijährige Projekt „Aufgabenkritik“, in dem fragliche Aufgaben und Standards ohne Tabus auf den Prüfstand gestellt wurden, erfolgreich Verbesserungen beim Unternehmensergebnis. Ein professionelles Risikomanagement, in dem alle bestandsgefährdenden Gefahrenpotentiale identifiziert und Maßnahmen zu ihrer Vermeidung definiert wurden, soll nachhaltig alle Unternehmensprozesse absichern. Strategische Steuerungsinstrumente wie die Balanced Scorecard (BSC), das Projekt- und Qualitätsmanagement sind relativ neue Maßnahmen, die den Restrukturierungserfolg nachhaltig gewährleisten.

Projektmanagement

Im Zuge der Restrukturierung wurde im Jahr 2005 das professionelle Projektmanagement bei der SSB eingeführt. Hauptgrund für die Einführung war der zunehmende Stellenwert von bereichsübergreifenden Problemstellungen.  Damit ist es bei der SSB nun möglich, Nutzen, Wirtschaftlichkeit und Risiko jedes einzelnen Projektes zu ermitteln. Bislang konnten rund 50 Projekte mit Hilfe des Projektmanagements erfolgreich durchgeführt werden.

Ergebnisse der Restrukturierung und Ausblick

Nach zehn Jahren laufender Restrukturierung wurden bei der SSB ab 2006 jährlich rund 33 Mio. Euro durch verschiedene Maßnahmen eingespart. Der aktuelle Restrukturierungsplan sieht ein Volumen von insgesamt jährlich rund 47 Mio. Euro über das Jahr 2009 hinaus vor. Seit 1992 konnte der Personalbestand um 450 Mitarbeiter reduziert werden. Dies geschah ausnahmslos im Wege der natürlichen Fluktuation der betroffenen Mitarbeiter.

Durch alle ergriffenen Maßnahmen konnte zudem der Kostendeckungsgrad seit 1992 von 74 % auf 92 % im Jahre 2006 erhöht werden. Parallel dazu konnte der Ausgleichsanspruch, der jährlich durch die Eigentümerin Stadt Stuttgart geleistet wird, seit Beginn der Restrukturierung im Jahr 1999 auf ca. 23 Mio. Euro reduziert werden. Somit konnte auch der Haushalt der Stadt Stuttgart spürbar und nachhaltig entlastet werden.

Die Restrukturierung bedeutete, dass die Erhaltung der Beschäftigung und der Zusatzversorgungsleistungen sowie die nachhaltige Bestandssicherung des Unternehmens SSB im wesentlichen durch große Opfer der Mitarbeiter erreicht werden konnte. Besonders bemerkenswert ist, dass trotz hoher Einschnitte die bewährte hochwertige Qualität gegenüber den Kunden nachhaltig ausgebaut wurde. Obwohl bereits erhebliche Restrukturierungspotenziale bei der SSB realisiert wurden, kommen in Zukunft weitere Maßnahmen hinzu. Denn der Gedanke und das Bemühen um ständige Verbesserung ist Teil der nachhaltigen Unternehmensphilosophie. Jedoch ist klar, dass mit zunehmender Ausschöpfung aller Restrukturierungsmöglichkeiten immer weniger Spielraum für zusätzliche Maßnahmen bleibt. Insbesondere vor dem Hintergrund sinkender öffentlicher Zuschüsse aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz für die Förderung von Fahrzeugen und Infrastruktur muss zukünftig von steigenden Belastungen ausgegangen werden. Andere sinkende öffentliche Finanzmittel wie die Kürzung der Ausgleichsleistungen für die Schülerbeförderung oder die Verringerung der Verbundförderung durch das Land bringen zusätzliche Erschwernisse.