Haltestelle Staatsgalerie - ein Rückblick

September 2020 – zur Eröffnung der neuen Haltestelle Staatsgalerie ein Blick in die Historie

Wer in letzter Zeit rund um Schlossgarten und Hauptbahnhof unterwegs war, oder auch einfach nur die SSB die letzten Tage auf seinen sozialen Netzwerken verfolgt hat, hat es bestimmt schon mitbekommen: Als Folgemaßnahme des Verkehrsprojekts Stuttgart 21 wird die Stadtbahnhaltestelle „Staatsgalerie“ neu gestaltet und um ca. 25 Meter nach Westen in Richtung Schlossgarten umverlegt. Der neue Standort ist aber nicht die einzige Veränderung. Die Gleise der neuen Haltestelle liegen rund 3 Meter höher als die Bestehenden, da sie über den neuen Fernbahntunnel der Deutschen Bahn geführt werden. Ab dem 12. September geht es los: Dann verkehren die Stadtbahnen durch den neuen Tunnel zur neuen Haltestelle Staatsgalerie.

Zur Feier dieses Ereignisses wollen wir nun einen Blick in die Geschichte des unterirdischen Stuttgarter Stadtbahnnetzes werfen. Und der lohnt sich: Denn Stuttgart war die erste deutsche Stadt, die nach dem Krieg im Mai 1962 mit dem Bau eines Straßenbahntunnels begann. Als erstes wurde davon 1966 die Haltestelle Charlottenplatz in Betrieb genommen, gefolgt von dem U-Straßenbahnabschnitt zwischen Charlottenplatz und Marienplatz und der Strecke Staatsgalerie/Schlossgarten bis Stöckach im Jahr 1972.

So schaffte es die Stadt innerhalb kurzer Zeit, die Straßenbahn im gesamten Innenstadtbereich unter die Erde zu verlegen. Nicht nur der Individualverkehr profitierte von dieser Entzerrung, auch die Straßenbahn selbst wurde dadurch pünktlicher und schneller. Im Rahmen des dritten Bauabschnitts zwischen Schlossgarten und Stöckach wurde so die U-Haltestelle „Staatsgalerie“ (früher Schillerstraße) am 10. Mai 1972 eingeweiht. Zahlreiche Gäste hatten sich dafür auf den Bahnsteigen eingefunden - denn schließlich ging es um die Inbetriebnahme eines fünf Kilometer langen Tunnelstücks der sogenannten Tallängslinie (vom Marienplatz zum Stöckach). Für die Benutzer der Straßenbahn verkürzte sich dadurch die Fahrzeit von Vaihingen bis zum Stöckach um 15 Minuten.

Aber auch architektonisch war die Staatsgalerie damals sehr gefeiert. Denn den Stuttgartern begegnete das Bauwerk des Architekten Beck-Erlang als eine neue Art von Haltstelle: Die Bahnsteighalle ist zweigeschossig, wodurch eine räumliche Einheit mit den Fußgängerverbindungen geschaffen wurde. 1975 räumte die Haltestelle zusammen mit der Haltestelle Marienplatz sogar den Paul Bonatz Architekturpreis ab, der alle vier Jahre von der Stadt Stuttgart verliehen wird und bei dem sich die Haltestelle gegen 63 weitere Objekte durchsetzen konnte.