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SSB-Stadtspaziergang Route #1

Beginn: Hauptbahnhof

 

Hauptbahnhof Stadtbahnhaltestelle

Später Anschluss ans Straßenbahn-Netz: Erst mit der Verlegung des Hauptbahnhofs im Jahr 1922 von der heutigen Bolzstraße zum jetzigen Standort wurden direkt vor dem Bonatz-Bau Gleise für die SSB-Fahrzeuge gesetzt. Der Start allerdings war alles andere als gemächlich: Bis zu 10 Linien tummelten sich in den folgenden Jahren auf dem Bahnhofsvorplatz. Die Untere Königstraße bis zum Schlossplatz avancierte zur Hauptverkehrsader für die Schienenfahrzeuge.

Ab den 1950er Jahren stieg der Autoverkehr rasant an – um den Individualfahrzeugen Platz zu machen, wurde schließlich entschieden, das SSB-Netz in der Innenstadt in den Untergrund zu verlegen. So geschah es auch am Hauptbahnhof. Dort wurde ab 1971 am vierten Streckenabschnitt für die neue Stadtbahn gebuddelt, der bis zu den heutigen Haltestellen Börsenplatz, Stadtbibliothek und Schlossplatz ging. Kurios ist, dass dieser Abschnitt etwas breiter nach U-Bahn-Kriterien gefertigt wurde.

Die Haltestelle Hauptbahnhof umfasst vier Gleise an drei parallel liegenden Bahnsteigen. Im Gegensatz zum Charlottenplatz sind sie auf einer Ebene angelegt, die Linien kreuzen sich erst nördlich der Station auf unterschiedlicher Höhe. Ebenfalls anders als beim vorher gebauten Charlottenplatz wurden von Anfang an Hochbahnsteige eingeplant.

In den Gleisbetten sind jeweils noch drei Schienenstränge sichtbar – Zeugnisse des einstigen Mischbetriebs, der am Hauptbahnhof mit der Umstellung von der Straßenbahnlinie 15 auf Stadtbahn im Jahr 2007 ein Ende fand. Außerdem ist an Gleis 2 noch ein ehemals von der Straßenbahn genutztes abgesenktes Bahnsteigstück vorhanden, das wegen Bauarbeiten allerdings provisorisch geschlossen ist. (Näheres zum Mischbetrieb siehe: Etappe Alexanderstraße.)

Das neue Tunnelstück am Hauptbahnhof wurde am 9. April 1976 eingeweiht, die Schillerstraße hieß hier nun Arnulf-Klett-Platz. Einen Tag nach Inbetriebnahme des Tunnelabschnitts am Hauptbahnhof wurde Straßenbahnlinie 10 vom Killesberg zur Doggenburg durch den Buslinie 43 ersetzt.

 

Hauptbahnhof Klettpassage

Die 1976 gleichzeitig mit dem unterirdischen SSB-Halt Hauptbahnhof – Arnulf-Klett-Platz eröffnete Klettpassage galt als modernste Einkaufspassage der Republik. In der Passage waren die Geschäfte bis 22.00 Uhr geöffnet, damals ein absolutes Novum.

Die Klettpassage ist Eigentum der SSB. Das liegt an einer fundamentalen Neuerung, die mit der Systemumstellung auf Stadtbahn einherging: Früher fuhren die Straßenbahnen ganz selbstverständlich auf städtischem Grund, den Straßen eben. Im Zuge der Tunnelbauten wurde der Kauf der unterirdischen Schienenverkehrsknoten durch die SSB beschlossen, um ihr Handlungssouveränität über das Netz zu ermöglichen.

Zu Fuß durch die Untere Königstraße bis zum Schlossplatz

 

Schlossplatz

Schon 1869 rangen die Macher der Stuttgarter Pferdebahn SPE darum, Gleise von der Planie zum Schlossplatz legen zu dürfen, „ins Herz jenes Verkehrs“ mit Nähe zum damaligen Bahnhof, dem Theater, den Residenzanlagen und zahlreichen Gastwirtschaften. Doch erlaubt wurde das erst 15 Jahre später – und zwar dem frisch gegründeten Konkurrenzunternehmen Neue Stuttgarter Straßenbahn NSS.

Etwas sachlicher wurde der Schlossplatz zu Beginn des 20. Jahrhunderts der „Schwerpunkt des Betriebes“ genannt, der er bis zum in den 1960er Jahren begonnenen Stadtbahnbau auch blieb. 1939 wurde das Gedränge dort so dicht, dass der Stuttgarter Polizeipräsident vorübergehend Doppelhaltestellen durchsetzte, bei denen an einem Bahnsteig gleichzeitig mehrere Straßenbahnzüge abgefertigt wurden. Ende der 1950er Jahre hielten 15 Linien am Schlossplatz. Die Entlastung kam schrittweise in den 70er Jahren mit der Inbetriebnahme der verschiedenen Tunnelteilstücke der neuen Stadtbahn-Infrastruktur. 1978 endlich wurde die U-Haltestelle Schlossplatz eingeweiht, als letztes Teilstück des 4. Bauabschnitts.

Im Zuge des Planiedurchbruchs hatte der Schlossplatz einen „kleinen Bruder“ erhalten, den „Kleinen Schlossplatz“. Dieser wurde 1968 als sechs Meter erhöhtes Kunstbauwerk fertig gestellt. Für die bis dahin auf der quer durch die Stadtmitte verlaufenden B 27 brausenden Autofahrer ging es hier nun unterirdisch weiter. Auch die Straßenbahn unterquerte bis 1978 auf ihrem Weg in den Stuttgarter Westen das Bauwerk.

Zu Fuß Abzweig nach links auf die Planie

 

Planie

Herrin über die Planie war im 19. Jahrhundert die Königliche Krongutverwaltung. Als die SPE 1868 auf dem Gelände ihre Innenstadtrundlinie fertig stellen wollte, sah sie sich an die mit der Stadt ausgehandelten Konzessionsbedingungen nicht wirklich gebunden. Die SPE musste so manche Kröte schlucken und sogar tönerne Abwasserrohre ersetzen, bevor ihre Züge ab März 1869 endlich in vollendetem Ringschluss fahren durften. 18 Jahre später geriet die Planie zu einem verkehrstechnischen Nadelöhr. Sowohl die SPE als auch Konkurrent NSS wollten eine von Norden nach Süden gerichtete den Stadtkern durchschneidende Talquerlinie bauen. Während aber die SPE-Gleise auf der Planie normalspurig waren, war der NSS-Abschnitt auf dem Schlossplatz schmalspurig. Die Lösung kam erst nach Fusion der beiden Unternehmen zur SSB von 1889 – mit Umstellung des kompletten Netzes auf Meterspur.

Zum Jahrhundertwechsel gab es für die Schienenlegung auf der Planie immer noch keine endgültige Genehmigung. Dies führte zu jahrelangen Verzögerungen bei der Anbindung wichtiger Linien wie der vom Bopser oder von Ostheim an den Schlossplatz.

In einer anderen Zeit, nämlich ab 1964, vollzog sich eine für historische Straßenbahnexperten undenkbare Angelegenheit: Der Planiedurchbruch begann, mit dem der gesamte inzwischen überbordende Straßenverkehr in die Unterwelt verfrachtet wurde. Die Autos fuhren ab Ende des Jahrzehnts unter Tage, die Straßenbahn erreichte erstmals 1978 untertunnelt von der Planie den Schlossplatz.

Auf der Planie zum Karlsplatz, dort nach links Richtung Dorotheenstraße bis zur Markthalle.

 

Markthalle und Rettichgleis

Gut meinend sorgte die SSB beim Bau der prachtvollen Jugendstil-Markthalle ab 1910 dafür, dass gleich auch ein Gleis ins Innere des Gebäudes gezogen wurde, auf dem die Waren der Händler möglichst nahe an ihre Stände gebracht werden sollten. Schließlich hatte sie zeitgleich mit einem Güterverkehr vom Wangener Marktplatz in die Stadt begonnen, und andere Vororte folgten. Durch den Ersten Weltkrieg verzögerte sich der Netzanschluss der verwaisten Schienenstränge von etwa 25 Metern Länge. Die SSB transportierte die Güter bis zum „Rettichgleis“, wie es von den Leuten schnell genannt wurde, gelegen zwischen dem heutigen Cafe Grand Planie und dem Karlsplatz. Den lokalen Bauern waren die zunächst eingesetzten geschlossenen Güterwagen mit zwei Etagen schnell zu umständlich, weil auf ihnen nur Körbe Platz hatten. Also baute die SSB Plattformwagen, auf die Leiterwagen geladen werden konnten – auch praktisch, um nach Marktschluss die Waren noch in anderen Stadtgebieten anbieten zu können. Das Verladen von Leiterwagen erwies sich unter beengten Umständen in der 1916 eröffneten Markthalle als wenig praktikabel. Also fuhr die SSB mit Gemüse und Salat weiter das Rettichgleis an – dies bis 1949.

Von der Dorotheenstraße aus ist am nordöstlichen Ausgang der Markthalle das noch heute vorhandene nie genutzte Gleisfragment besonders gut zu sehen. Es liegt komplett offen und durchquert die Markthalle bis zur anderen Seite zur Sporerstraße hin.

Zu Fuß von der Dorotheenstraße nach links in die Karlstraße, wieder zurück zur Planie, von dort nach rechts zur Stadtbahnhaltestelle Charlottenplatz.

 

Charlottenplatz

1868 war der Charlottenplatz Startpunkt der ersten Stuttgarter Straßenbahnstrecke, der Bäderlinie nach Berg. Rund 90 Jahre später war Stuttgart die erste Stadt der Bundesrepublik, die nach dem zweiten Weltkrieg beschloss, ihr ÖPNV-Netz grundlegend zu modernisieren. Startschuss war der Baubeginn für das Verkehrsbauwerk Charlottenplatz im Juli 1962, um die komplette Haltestelle auf zwei Stockwerken unter die Erde verfrachten. Ursprünglich als Knotenlösung vorgesehen, sollte es den PKWs eine von Gleisen gesäuberte Konrad-Adenauerstraße bescheren.

1966 ging auf der zweiten Tief-Ebene der Tallängs-Abschnitt der unterirdischen Straßenbahnstrecke in Betrieb – als erster in der BRD gebauter Straßenbahntunnel. Seine Länge einschließlich Rampen ist 750 Meter, die Schienen liegen am tiefsten Punkt 13 Meter unter der Straßenoberfläche. Im Jahr darauf folgte ein Stockwerk weiter oben um 90 Grad verdreht der Talquer-Abschnitt mit einer Länge von 370 Metern von der Planie bis zum Olgaeck. Damit war der 1. Streckenabschnitt des späteren Stadtbahnsystems fertig. 1971 wurde als erstes echtes untertunneltes Linienstück die Strecke Charlottenplatz – Marienplatz in Betrieb genommen.

Im verkehrstechnischen Neuland der Untertunnelung ging es anfänglich noch waghalsig zu. So wollte man ursprünglich im zweiten Untergeschoss die Fahrgäste zwischen den Bahnsteigen über die Gleise laufen lassen. Und, Dunkelheit hin oder her, zunächst wurde traditionsgemäß auch im Tunnel noch auf Sicht gefahren, ganz ohne technische Signalsteuerung.

Auch hier sind im ersten Untergeschoss drei in die Gleisbetten gelegte Schienen vorhanden, und es gibt dort auch abgesenkte Bahnsteigbereiche – Relikte vom vergangenen Mischbetrieb. Somit ist der Charlottenplatz auch für die sonntäglichen Fahrten der historischen Straßenbahnen des Cannstatter SSB-Museums Straßenbahnwelt nutzbar.

Weiter Zu Fuß oder mit der U15 Richtung Heumaden bis zum Eugensplatz.

Tipp: Zum 150jährigen Geburtstag der SSB bekommt die Straßenbahnwelt eine Erweiterung am Charlottenplatz. Eine phantasievolle Dauerausstellung informiert ab Ende Juli 2018 kurzweilig über die spannende Geschichte des Schienenbetriebs. Schwerpunkt ist der Stadtbahnbau. Damit besitzt die SSB-Haltestelle Charlottenplatz als Schienenverkehrsknotenpunkt gleichzeitig auch ein faszinierendes museales Flair.

 

Alexanderstraße, historische Straßenbahnstrecke

Die Linie 15 von Stammheim nach Heumaden war die letzte Straßenbahnlinie, die Stuttgart durchkreuzte. Wegen des steilen Streckenabschnitts in der Alexanderstraße von bis zu 8,6 Prozent und des engen Straßenquerschnitts, der einen eigenen Gleiskörper nicht durchgehend erlaubte, schien ein Stadtbahnbetrieb schwer verwirklichbar. So war zunächst geplant, den Schienenverkehr hier ganz einzustellen. Doch das Thema wurde zurückgestellt, während andere Strecken gebaut wurden. Die guten Erfahrungen beim Stadtbahnumbau gaben den SSB-Machern Mut: Im neuen Jahrtausend begannen konkrete Planungen zur Umwandlung der Straßenbahn- in eine Stadtbahnlinie. 2007 wurde der  Betrieb der Straßenbahnlinie 15 auf Stadtbahn umgestellt. Im Bereich der Alexanderstraße fährt die U15 heute weitgehend ohne eigenen unabhängigen Gleiskörper auf der Straße.

Das Jahr 2007 bedeutete auch das Ende des Stuttgarter Mischverkehrs, der deutschlandweit  einzigartig war: Jahrzehnte lang teilten sich schmalspurige Straßenbahnen und normalspurige Stadtbahnen wichtige innerstädtische Netzbereiche. Die Gleisanlage der Alexanderstraße besteht auch heute aus drei Schienen – der Umbau zur Stadtbahn war unter laufendem Betrieb der Straßenbahn geschehen. Auch hier sind die schmalspurigen Museumsfahrzeuge der Straßenbahnwelt unterwegs und zuckeln bis zur Ruhbank hoch.

Weiter mit der Buslinie 42 in Richtung Erwin-Schöttle-Platz bis zur Straußstaffel.

 

Wartehäuschen Straußstaffel

Die Haltestelle Straußstaffel wurde ab 1913 von der Straßenbahnlinie 8 angefahren und später für einige Zeit vorübergehend von der Linie 2 bedient. Bis 1978 hielt die Straßenbahn hier, danach übernahm der Buslinie 42 die damals schon auf ihren Ostteil zusammen gestutzte Strecke der Linie 8 komplett. Das historische Wartehäuschen ähnelt im Baustil dem Wartehäuschen auf der Doggenburg, was nahelegt, dass beide in der Blütephase der SSB vor Ausbruch des ersten Weltkriegs gebaut wurden. Das Wartehäuschen an der Straußstaffel ist jedoch schlichter gehalten, auf Verzierungen und Reliefs, die sein nördliches Pendant besitzt, wurde verzichtet. Es ist das letzte noch genutzte historische Wartehäuschen, und das einzige noch erhaltene in der charakteristischen viereckigen Form. Vor wenigen Jahren wurde es frisch renoviert und bekam bei der Gelegenheit ein neues Dach. Links neben dem Wartehäuschen steht ein bis in die 1960er Jahre typischer Mast zur Aufhängung der Fahrleitung, erkennbar an seinem nagelkopfartigen Ende. Solche Masten sind entlang historischer Strecken von Straßenbahnen immer wieder zu finden, sie werden heute meist für die Befestigung der Straßenbeleuchtung benutzt.

Zu Fuß über Libanonplatz und Wagenburgstraße oder mit der Buslinie  42 Richtung Schlossplatz wieder zurück zum Eugensplatz. Dann zu Fuß die Alexanderstraße hinunter.

 

Alexanderstraße, Retro-Wandhaken

Vom Eugensplatz lohnt ein kurzer Fußweg die Alexanderstraße hinunter, und dies nicht nur, um die Steilheit der Straße selbst physisch zu erfahren. An den Fassaden zahlreicher Häuser in der Alexanderstraße sind neben älteren auch Retro-Wandhaken zu finden, an denen Fahrleitungen befestigt sind. Besonders deutlich ist dies etwa in der Alexanderstraße 1 und 3 zu erkennen. Die hübschen mit Rosetten verzierten kleinen Objekte sind wie die historischen SSB-Wandhaken gestaltet. Man merkt an ihrem metallenen Glanz aber, dass die Verwitterung noch nicht viel Zeit hatte, ihre Spuren zu hinterlassen.

Wie die Masten geben auch alte Wandhaken den Verlauf ehemaliger Straßenbahnstrecken preis: Man sieht sie noch heute an zahlreichen historischen Häusern, so etwa in der Tübinger, Haußmann- und Oberen Königstraße. Die charmanten Rosetten übrigens wurden nur bis in die 1920er Jahre verwendet. Später wurden die Haken schlicht auf eine runde Metallplatte gesetzt.

An der Uhland- oder Charlottenstraße nach rechts Richtung Charlottenplatz. Tourende.

 

Wandhaken Challenge

Wie viele Wandhaken siehst du auf der Route? Fotografiere die Wandhaken, poste das Bild auf Instagram in deine Story oder als normaler Post und tag uns mit @ssb_ag. Wir werden alle Bilder reposten und sind gespannt wer die meisten Haken entdeckt. Hier geht es zu unserem Instagram-Kanal.

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Dieser Blogartikel entstand in Kooperation mit Claudia Lorenz. Interessante historische Spaziergänge mit Frau Lorenz gibt es bald wieder auf unserer Webseite zu buchen. Aufgrund der aktuellen Situation wird diese Kulturveranstaltung derzeit nicht angeboten.