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SSB-Stadtspaziergang Route #2

Die Route im Überblick

Beginn: Hauptbahnhof

Buslinie 42 bis Ostendplatz

Werfmershalde

SSB-Gebäude Landhausstraße 189-201

Ehemaliges SSB-Betriebshofsgelände Ostheim

Zentrum im Depot

Weiter zu Fuß

Friedenau-Siedlung Rotenberg-/ Abelsberg-/ Hackstraße

Friedenaustraße

Weiter mit Buslinie 45 bis Haltestelle Elwertstraße

Ehemaliger Busbetriebshof Mercedesstraße

Ehemalige Wagenhalle Bad Cannstatt – Straßenbahnwelt

Weiter zu Fuß

Stadtbahnhaltestelle Badstraße (Wilhelmsplatz)

Weiter mit U1 oder U2 ab Wilhelmsplatz bis Mineralbäder

Ehemaliges Betriebshofsgelände Berg

Weiter mit U1, U2, oder U14 bis Stöckach

Neckarstraße

Ende: Stöckach

Beginn: Hauptbahnhof

Mit der Buslinie 42 in Richtung Schlossplatz zum Ostendplatz. Nach der Haltestelle Friedenstraße wird die Werfmershalde hinauf gefahren. Wer lauffreudig ist, steigt an der Friedenstraße aus und geht entlang der Busroute die Werfmershalde erst steil hinauf, biegt am Urachplatz in die Haußmannstraße und läuft von dort aus zum Ostendplatz. Dies verlängert die Route um etwa 20 Minuten

Werfmershalde und Haußmannstraße

Die Werfmershalde wurde von 1910 bis 1972 mit der Straßenbahn befahren. Mit 9,5 Prozent Steigung war sie die bisher steilste Straßenbahnstrecke im SSB-Betrieb. Wegen der starken Steigung durfte ein Zug hier nur einen Anhängewagen anstatt zwei haben, da das Gewicht beim Bremsen sonst zu hoch gewesen wäre. Im oberen Bereich kurz vor Einmündung auf den Urachplatz ist rechts und links ein „Nagelmast“ zur Aufhängung der Fahrleitung aus den 50er Jahren zu sehen. Die Strecke, die zuletzt mit der Straßenbahnlinie 8 befahren wurde, bedient heute die Buslinie 42.

Entlang der Haußmannstraße sind an diversen Häusern noch historische Wandhaken zu finden, die ursprünglich zur Aufhängung der Oberleitungen dienten.

Vom Ostendplatz zu Fuß Abzweig in die Landhausstraße

SSB-Gebäude Landhausstraße

Die Gebäude auf der linken Straßenseite mit den Hausnummern 189 bis 201 sind alte SSB-Wohngebäude. Sie wurden vor einigen Jahren verkauft. Zwischen der Hausnummer 187 und 189 fällt ein kleines Häuschen mit Glasdach in einem Hinterhof auf. Dieses Gebäude beherbergte einst die Schreinerei der SSB. Das Hochhaus auf der anderen Straßenseite an der Ecke Lehmgruben- Landhausstraße mit der Hausnummer 188wurde 1958 im Zusammenhang einer Betriebshoferweiterung von der SSB gebaut.

Ehemaliger Betriebshof Ostheim

In der Landhausstraße 178 befand sich die ehemalige Kantine des Betriebshofs Ostheim und der Hauptwerkstatt. Links davon bietet die Hausnummer 180 Zugang auf das ehemalige Betriebshofsgelände. Als klassisches Erkennungszeichen von SSB-Betriebsgebäuden ist die unten ockergelb geflieste Fassade erkennbar.

Läuft man hindurch, fällt eine in weiß und rosa gestrichene doppelstöckige Halle auf, die ehemalige Wagenhalle der Straßenbahn. Das obere Geschoss wurde von der Ostendstraße aus befahren, das untere von der Landhausstraße. Doppelstöckige SSB-Betriebshöfe waren wegen der hügeligen Topographie in Stuttgart häufig. Es gab sie auch am Marienplatz, im Westend und in Bad Cannstatt. Rechts von der Halle befand sich ursprünglich die inzwischen abgerissene Hauptwerkstatt.

Der Betriebshof Ostheim war über Jahrzehnte Herzstück der SSB-Infrastruktur. Mit Beginn des Vorortlinienbaus nach Wangen, Untertürkheim und Hedelfingen drohten die bisher bestehenden Betriebshöfe Marienplatz, Westend und Berg aus allen Nähten zu platzen. Daher kaufte die SSB 1909 das von der Landhaus- und Ostendstraße eingefasste Grundstück. Für den in Richtung Ost-Nordost gerichteten Schienenverkehr entstanden auf dem Gelände in den folgenden Jahren drei Wagenhallen mit Ausfahrt zur Ostendstraße, von denen eine zweistöckig und im unteren Teil auch über die Landhausstraße befahrbar war. Außerdem wurde auf dem Gelände die neue SSB-Hauptwerkstätte mit einer riesigen Montagehalle gebaut, deren Einfahrt an der Ostendstraße lag. 1914 waren die Bauten abgeschlossen, der Betriebshof Ostheim blieb für die nächsten drei Jahrzehnte die größte Wagenhalle der SSB.

Nach fast völliger Kriegszerstörung wurden Betriebshof und Hauptwerkstatt zwischen 1945 und 1950 wieder aufgebaut. Dabei wurden ungefähr die Grundrisse der früheren Anlage beibehalten und auf Modernisierung geachtet. 1957 folgte der Bau der noch heute bestehenden zweigeschossigen Wagenhalle entlang der Grundstücksgrenze zum Leo-Vetter-Bad. Sie konnte oben von der Ostendstraße aus über eine Rampe entlang der Schönbühlstraße und unten von der Landhausstraße eingefahren werden. Im zeitgleich gebauten Hochhaus in der Landhausstraße 188 befanden sich auch Werkstätten, Dienst- und Aufenthaltsräume.

Als aber ab 1959 der vierachsige Straßenbahntyp GT 4 Stuttgarts Gleise zu erobern begann, passte der nur mit Mühe und Not in die für Zweiachser konzipierten Wartungs- und Reparaturanlagen der Hauptwerkstatt. Abhilfe kam erst zwölf Jahre später, als 1971 die neue SSB-Hauptwerkstatt in Möhringen eingeweiht wurde. Ein Jahr später erfolgte die Einstellung von Teilen der Straßenbahnlinien 2 und 8. Es wurde ruhiger im Betriebshof Ostheim, und die SSB nutzte ihn ab 1976 für einige Jahre auch als Abstellplatz für ihre Busse. Mit Beginn des Stadtbahn-Verkehrs auf Stuttgarts Gleisen ab 1985 war das Schicksal des Betriebshofs Ostheim endgültig besiegelt: 77 Jahre nach Fertigstellung der ersten Wagenhallen endete seine Zeit am 31. Mai 1986 – Busse wurden auf dem einstigen Schienenknotenpunkt allerdings noch zwei Jahre länger geparkt.

Von der Landhausstraße zu Fuß wieder zurück zum Ostendplatz, dann nach links in die Ostendstraße, nach 200 Metern wieder links in die Schönbühlstraße

Abgesehen von der Spitze direkt an der Ecke Landhaus- Ostendstraße erstreckte sich die Frontseite des Betriebshofs Ostend über die gesamte Länge vom Ostendplatz bis zur Schönbühlstraße hin. Begibt man sich über die Schönbühlstraße zur 1958 gebauten neueren Wagenhalle, kann man zwei Relikte aus Straßenbahnzeiten erkennen: Zum einen ist dies die typische SSB-Uhr, die seitlich neben dem Hallentor angebracht ist. Schräg über der Uhr hängt eine rote Signallampe auf gelbem quadratischem Hintergrund. Sie zeigte an, ob auf der Fahrleitung der oberen Halle Strom angestellt war. Ein solches Lämpchen ist auch noch auf der anderen Seite bei der Einfahrt über die Landhausstraße zu finden.

„Zentrum im Depot“, Schönbühlstraße

Die „Entnutzung“ des Ostheimer Betriebsgeländes der SSB geschah schrittweise, und ebenso allmählich hielten neue Aktivitäten in dem großen Areal Einzug. Beginn war 1981 der Bau der Ostendpassage. Ein Jahr später wurde im Obergeschoss der alten Wagenhalle ein Jugendhaus eingerichtet, das zwar als Provisorium gedacht war, aber noch immer in Nutzung ist. Das Untergeschoss verwendet die Stadt bis heute zur Einlagerung von Buden für das Weinfest und ähnliche Veranstaltungen.

In die neuere Wagenhalle zog mit dem Theater im Depot 1988 ein experimentell versierter Ableger der Staatstheater ein. Als das Theater 2010 im Stuttgarter Norden eine neue Spielstätte fand, standen die Hallen für einige Jahre leer. 2014 wurden die Bühnen interimsweise von freien Ensembles bespielt. Inzwischen sind dort intensive Renovierungsarbeiten im Gange: Das Gebäude wurde 2015 von der Stadt Stuttgart angemietet. Ab 2019 soll ein neuer Treff für den Bezirk entstehen. Eine Außenstelle der Musikschule, eine Fahrbücherei und diverse Vereine haben sich im „Zentrum im Depot“ in der Schönbühlstraße 75 schon niedergelassen. Künftig ist zusätzlich eine Kita geplant, und auch das Jugendhaus soll nach dorthin umziehen. Die alte Halle aus dem Jahr 1911 wird dann wohl weichen und Raum für Neues schaffen.

Zu Fuß: Von der Schönbühlstraße Abzweig nach links  in die Julienstraße bis zur Landhausstraße. Dort kurz nach links, dann rechts in die Lehmgrubenstraße einbiegen und bis zur Abelsbergstraße laufen. Dort links weiter bis zur Kreuzung Abelsberg- Rotenbergstraße

Friedenausiedlung Abelsberg- / Hack-/ Rotenbergstraße

Im Jahr 1919 gründeten 78 Straßenbahnbeschäftigte die Wohnbaugenossenschaft Friedenau. Sie wollten der nach dem ersten Weltkrieg drückenden Wohnungsnot begegnen und erhielten dabei auch kräftig Unterstützung von ihrer Arbeitgeberin SSB. 1922 wurden in der Rotenbergstraße 143-145 an der Ecke zur Hackstraße die ersten beiden Häuser gebaut. Bis 1927 entstand eine kleine Straßenbahnersiedlung mit Hausgärten die Rotenbergstraße hinauf bis zur Abelsbergstraße und von dort auf der rechten Seite der Abelsbergstraße bis zur Hackstraße. Entlang der Hackstraße baute die Friedenau kleine Häuser, die SSB-Beschäftigte zu guten Konditionen erwerben konnten. Auch das Restaurant „Friedenau“ an der Ecke Abelsberg-/ Rotenbergstraße wurde schon damals in Betrieb genommen.

Das erste große Friedenau-Bauprojekt ist heute nach modernen Standards saniert, aber die Bausubstanz ist weitgehend noch im Original erhalten. Logistisch klug wurden auch später folgende Wohnungsbauten in der Nähe von SSB-Betriebshöfen vollzogen – nahe am Arbeitsplatz. Inzwischen hat sich die Friedenau auch für Nicht-Straßenbahner geöffnet. Heute nennt sie stolze 1230 Mietwohnungen ihr Eigen und hat knapp 1500 Mitglieder.

Zu Fuß: Die Rotenbergstraße hinunter,  Abzweig an der Rotenbergstraße 140 nach rechts in die Boslerstraße bis zur Friedenaustraße. Nach links in die Friedenaustraße einbiegen

Friedenaustraße

In der ein paar Ecken von der Siedlung entfernten Friedenaustraße befinden sich keine Wohnobjekte der gleichnamigen Baugenossenschaft, doch den Namen trägt sie von ihr.

Zu Fuß: Am Ende der Friedenaustraße rechts in die Rotenbergstraße einbiegen, ein paar Meter weiter zur Talstraße laufen. Dort liegt links die Haltestelle Schlachthof. Von dort  mit der Buslinie 45 in Richtung Münster weiter über den Neckar bis zur Haltestelle Elwertstraße in der Mercedesstraße in Bad Cannstatt. Von dort ein paar Schritte zurück zur Mercedesstraße 31 laufen

Ehemalige Buswerkstatt Mercedesstraße

Das Eingangstor zur Buswerkstatt ist in der Mercedesstraße 31. 1926 gilt mit Inkrafttreten der Buslinie A von der Marienstraße zum Kursaal Cannstatt als Geburtsjahr des Busbetriebs in Stuttgart. Die damals sehr schienen-affine SSB stieg zunächst nur zögerlich in das vom damaligen Baubürgermeister Daniel Sigloch eingefädelte Projekt ein, wollte sich aber fremde Konkurrenz vom Leibe halten. 1932 wurden die Werkstatt- und Betriebshofgebäude in der Mercedesstraße in Betrieb genommen. Der nach dem 2. Weltkrieg anschwellende Verkehr machte eine Erweiterung der Infrastruktur nötig: Zwischen 1954 und 1968 wurde der Betriebshof  in mehreren Stufen weiter ausgebaut.

In ihren Grundzügen ist diese Anlage noch heute weitgehend erhalten, wird aber inzwischen vollständig von Unternehmen der Privatwirtschaft genutzt. Rechts vom Eingang in der Mercedesstraße befinden sich die ehemaligen Betriebsgebäude, links die Straße entlang die ursprünglichen Abstellhallen für 45 Busse. Im Inneren des Geländes ist eine alte Werkstatt-Halle aus dem Jahr 1932 zu sehen, die über spitze Glasdächer verfügt – Lichtspender für anfallende Reparaturarbeiten.

Bis Ende der 90er Jahre konnte die SSB ihre Busse auch auf dem Wasen abstellen. Da absehbar war, dass diese Möglichkeit durch den Stadtbahnausbau wegfallen würde, wurde ab 1988 in Gaisburg ein neuer Betriebshof aufgebaut. Mit dessen Fertigstellung 1997 wurde der Betriebshof in der Mercedesstraße aufgelassen.

Zu Fuß ein paar Meter die Mercedesstraße in Richtung Cannstatter Straße wieder zurück bis zum Veielbrunnenweg und dem SSB-Museum Straßenbahnwelt

Ehemalige Wagenhalle Cannstatt und Straßenbahnwelt

Der ehemalige Cannstatter Straßenbahnbetriebshof ist eingefasst von der Elwertstraße und dem Veielbrunnenweg und stößt in spitzem Winkel auf die Mercedesstraße.

Zum Bau des Betriebshofs in Cannstatt im Jahr 1929 kam es aus zwei Gründen: Zum einen hatte der Straßenbahnverkehr durch Netzerweiterungen auf der rechten Seite des Neckars stark zugenommen. Zum anderen hatte die Stadt aus straßenbaulichen Gründen ein Auge auf das Grundstück geworfen, auf dem sich der Betriebshof in Berg befand. Die SSB kam 1928 im Tauschhandel gegen das Berger Gelände zum Areal ihres zukünftigen Cannstatter Betriebshofs, der doppelgeschossig konzipiert war: Die Obere Halle mit 5.500 m2 wurde von der Mercedesstraße aus befahren, die Untere Halle mit 2.600 m2 über die Daimlerstraße. An der Eingangsseite am Veielbrunnenweg 1 entstand ein fünfgeschossiges „Hochhaus“ mit Diensträumen und Wohnungen. Die Ziegelbauweise und markante horizontal gliedernde Betonbänder in den Fassaden trugen dazu bei, dem Ensemble ein unverwechselbares Gesicht zu geben.

1987 wurde der Gebäudekomplex unter Denkmalschutz gestellt – im Gegensatz zur Ostheimer Anlage ist er im Zweiten Weltkrieg unversehrt geblieben und weitgehend im Original erhalten. Eine im Inneren der Oberen Halle weit gespannte Holzbinderkonstruktion gilt als herausragendes Beispiel der Ingenieursbaukunst in den 1920er Jahren.

Der Betriebshof Cannstatt war der letzte aktive Meterspur-Betriebshof der SSB und beherbergte am Schluss die Fahrzeuge für die Straßenbahnlinien 13, 2 und 15. Als die Linie 15 von Stammheim nach Zuffenhausen 2007 eingestellt wurde, wurde der Betriebshof aufgegeben – von nun an fuhren keine schmalspurigen Straßenbahnen mehr im Normalbetrieb. Doch die SSB hatte schon länger geplant, ihr bis dahin in Zuffenhausen befindliches Straßenbahnmuseum nach dorthin zu verlegen. Eine aufwändige Sanierung begann, zunächst der unteren Halle. Zwei Jahre später konnte die Straßenbahnwelt einziehen – das Museum der SSB wird mit Unterstützung des Vereins Stuttgarter Historische Straßenbahnen betrieben.

Im authentischen Ambiente des ehemaligen Depots können die Besucher nun auf rund 2.500 m2  Highlights der Stuttgarter Straßenbahngeschichte zum Anfassen erleben. Es werden historische Fahrzeuge aus 150 Jahren Schienenfahrt präsentiert, wechselnde Ausstellungen informieren kurzweilig über eine Vielzahl an Themen aus der SSB-Historie. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich die Oldtimer-Fahrten auf Stuttgarts Gleisen. Sie starteten nach einer mehrjährigen Pause wegen Streckenneubauten zu Jahresbeginn 2018 pünktlich zum 150sten SSB-Geburtstag wieder von neuem.

Tipp: Das Straßenbahnmuseum öffnet am 07.06.2020 wieder seine Türen. Mehr Informationen erhalten Sie hier.

Von der Elwertstraße gelangt man nach links in die Kegelenstraße, kurz darauf  liegt rechter Hand der Cannstatter Bahnhof. Nach Unterquerung der Gleise geht es die Bahnhofstraße entlang zur Stadtbahnhaltestelle „Wilhelmsplatz“. In Laufrichtung links schräg hinter ihr liegt die Haltestelle „Badstraße“ der U13

Stadtbahnhaltestelle Badstraße

Seit 1929 fuhr die Straßenbahnlinie 13 durch die Badstraße, doch in den 1970er Jahren plante die SSB im Zuge des Stadtbahnumbaus zunächst eine Einstellung der Strecke – so sollte auch die Einkaufsstraße schienenfrei bleiben. Die verblüffenden Erfolge der ersten Stadtbahnlinien ließen die SSB allerdings wieder auf  Erhalt der Linie umschwenken – 1997 wurde die U13 eingeweiht. An Hochbahnsteige zum barrierefreien Betreten der Wagen war jedoch in der Badstraße aufgrund der grummelnden Kaufleute zunächst überhaupt nicht zu denken: Sie wurden als gar zu wuchtig für ein würdiges Entree in die Konsumwelten empfunden.

Jahre später machte die SSB gute Erfahrungen mit abgesenkten Hochbahnsteigen unter anderem an den Haltestellen Mittnachtstraße und am Nordbahnhof. Zum Bau solcher Bahnsteige muss die Gleistrasse abgesenkt werden. So sollte es jetzt auch in der Badstraße geschehen, und zwischenzeitlich war per SSB-Gutachten auch das kauflustige Potential ihrer an der Badstraße ein- und aussteigenden Fahrgäste festgestellt. Die umstrittenste Haltestelle des SSB-Netzes wurde Ende 2010 als letzte barrierefrei – vorher wurden einzig für sie noch Stadtbahnzüge mit Klapptrittstufen benötigt.

Zu Fuß hinüber zur Stadtbahnhaltestelle Wilhelmsplatz. Von dort mit der U2 in Richtung Botnang oder mit der U1 in Richtung Vaihingen weiter bis zur Haltestelle „Mineralbäder“.

Berg

An diesem Ort liegt die Wiege der SSB-Geschichte. Blickt man von der Stadtbahnhaltestelle Mineralbäder auf das Bad Berg, so befand sich links von ihm das Betriebsgelände der Stuttgarter Pferdeeisenbahn SPE. Heute ist davon nichts mehr zu sehen, dennoch lohnt sich eine kleine Erkundung des geschichtsträchtigen Ortes. Das Bad selbst wurde 1856 eröffnet und hieß nach seinem Besitzer „Mineralbad Neuner“. Es war wichtiger Impuls für die Entstehung der SPE – schließlich wollte Gründer Georg Schöttle den Stuttgarter Bürgern eine Bäderbahn bauen, die sie im Sommer zum erfrischenden Nass von Neckar und Mineralquellen transportieren konnte. 

Der Schienentrieb war in seiner Frühzeit noch sehr überschaubar. Am 28. Juli 1868 wurde die ‚Bäderlinie’ eingeweiht, eine 2,6 km lange Strecke vom Charlottenplatz nach Berg. 1869 wurde sie um etwa 1,2 Kilometer über die Wilhelma bis hin zur Wilhelmsbrücke verlängert. Dazu gab es eine kleine innerstädtische Ringlinie. Ansonsten wurde das SPE-Netz bis Mitte der 1880er Jahre nicht mehr erweitert.

Schon 1868 wurde am Schwanenplatz neben dem Neunerschen Bad eine erste Wagenhalle gebaut, dahinter lag der Pferdestall mit angebautem Verwaltungsgebäude. 

Die Betriebsanlagen in Berg wurden 1894 für elektrischen Straßenbahnbetrieb umgerüstet. Bis 1913 befand sich in den ehemaligen Stallungen auch die erste SSB-Hauptwerkstätte.

Um den wachsenden Fuhrpark unterzubringen, wurde 1909 auf der anderen Seite der Gleise schräg gegenüber dem Bad Berg ein Depot für 60 Straßenbahnen gebaut. Adresse des Depots war die nicht mehr vorhandene Diagonalstraße 3.

Nach Verlegung der Hauptwerkstatt nach Ostheim diente die alte Halle in Berg bis zu ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg als Gleisbauwerkstatt, salopp genannt die „Bahnschmiede“. Die Ruine wurde wieder aufgebaut, bis Ende der 1960er Jahre war dort die Werkstätte der Fahrleitung und Fahrstromversorgung untergebracht.

Die neuere 1909 gebaute Halle wurde wegen straßenbaulicher Planungen im Bereich Cannstatter und Neckarstraße schon 1929 aufgegeben. Das Gelände ging an die Stadt Stuttgart.

Allerdings konnte die Vergangenheit auch an diesem Ort ihren langen Arm zeigen. 1876 wollte die Pferdebahndirektion Gleise ein Stückchen über eine zum Bad Berg gehörende Privatstraße um verlegen. Besitzer Neuner ließ sich als Gegenleistung zusichern, dass es in Zukunft immer eine Haltestelle vor seiner Erholungseinrichtung geben würde. Noch 100 Jahre später spielte diese Vereinbarung eine Rolle, als die SSB 1976 die Straßenbahn-Haltestelle „Mineralbäder“ weiter in Richtung Leuze-Bad verlegen wollte. Die Besitzerfamilie des Bades Berg bestand darauf, die Haltestelle unverändert zu lassen – und setzte sich durch.

Mit der U1 in Richtung Vaihingen, der U2 in Richtung Botnang oder der U14 in Richtung Hauptbahnhof  bis Stöckach oder in die Innenstadt

Neckarstraße

Fährt man von den Mineralbädern in Richtung Charlottenplatz, so ist man gleich nach der ersten Linkskurve bis zum Stöckach genau auf der historischen seit 1868 befahrenen Trassenführung der Pferdebahn. Nur einen Steinwurf von den Gleisen entfernt befand sich in der Metzstraße die „Stuttgarter Möbelfabrik“ des SPE-Gründers Georg Schöttle.

Die Untere Neckarstraße war anfänglich noch nicht befestigt. Gegen eine Zahlung von der Stadt hatte sich die SPE verpflichtet, bei Errichtung ihrer Anlage den Straßenbau mit zu übernehmen.

Die Gleisverlegung allerdings bereitete den Pferdebahn-Machern der Frühzeit erhebliche Schwierigkeiten. Es gab einfach noch kein bewährtes System, nach dem die Schienen störungsfrei für den anderen Verkehr in die Straßen versenkt werden konnten. So wurde in den ersten zehn Jahren des Pferdebahnbetriebs in der Neckarstraße viel improvisiert und ausprobiert, wurden Pflastersteine geklopft, Gleise herausgerissen wieder neu verlegt. Diese Widrigkeit war einer der Hauptgründe dafür, dass die SPE nach ihrem anfänglichen Erfolg das Netz nicht weiter ausbaute.

Im Sommer 1881 führte die Maschinenfabrik Esslingen mehrere Versuchsfahrten mit Dampflokomotiven in der Neckarstraße durch, die jedoch der Technik auf Stuttgarts Gleisen nicht den Durchbruch bescheren konnten. 1888 wurde in Gegenrichtung zwischen Berg und der König-Karls-Brücke auf SPE-Gleisen mit Daimlerscher Motorwagen experimentiert.  Doch die Zukunft des Schienenverkehrs lag in anderer Antriebstechnik: 1895 wurde die erste elektrische Strecke im SSB-Netz vom Charlottenplatz nach Berg eröffnet. Sie benötigte nur neun Minuten bis zur Erreichung ihres Zieles – zehn Minuten weniger als „animalisch“ betriebene Wagen. Obzwar die Stuttgarter die Elektrifizierung wegen ihrer Annehmlichkeiten überwiegend begrüßten, wurde die Neckarstraße wenig später wegen ihrer Oberleitungsmasten von ihnen kurzerhand in die „Galgenstraße“ umbenannt, in der die „Amputationsbahn“ fuhr – die ungewohnten Masten wurden in der Dunkelheit manchmal allzu schmerzhaft als übersehenes Hindernis erfahren.

Tourende: Stöckach

 

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Dieser Blogartikel entstand in Kooperation mit Claudia Lorenz. Interessante historische Spaziergänge mit Frau Lorenz gibt es bald wieder auf unserer Webseite zu buchen. Aufgrund der aktuellen Situation wird diese Kulturveranstaltung derzeit nicht angeboten.