SSB-Stadtspaziergang Route #3

Die Route im Überblick

Beginn: Marienplatz

Fußweg zur Filderstraße 47
Alter Zahnradbahnhof Filderstraße Nr. 47
Theater Rampe
Gebäude Filderstraße 45, 34

Zu Fuß die Alte Weinsteige hoch
Liststraße Türmchen
Zu Fuß zum Marienplatz
Betriebshofsgelände Hauptstätter Straße
Auf dem Marienplatz:
Filderstr. 57A+B, 59
Hohenstaufenstr.
Stadbahnhaltestelle Marienplatz
Zahnradbahn aktuelle Talstation
Zahnradbahn

Fahrt mit der Zahnradbahn bis zur Haltestelle Zahnradbahnhof in Degerloch
Alte Weinsteige mit Stellwerk Wielandshöhe
Zahnradbahnstation Degerloch

Weiter zu Fuß zur Albstraße
Degerloch ehemaliges Betriebshofgelände
Degerloch Schöttlestraße

Von der Haltestelle Albstraße mit der U 5, 6, 12 in Richtung Innenstadt
Neue Weinsteige

Ende: Charlottenplatz oder Hauptbahnhof

Beginn: Marienplatz
Zu Fuß zur Filderstraße, vor dem Heslacher Tunnel nach links die Ampel überqueren, danach weiter zum Theater Rampe, gesamt ca. 300 Meter

Filderstraße 47: Alter Zahnradbahnhof Talstation

Der Talbahnhof der Zahnradbahn wurde 1884 fertig gestellt und beherbergte von Anfang an auch eine Werkstatt für die Schienenspezialfahrzeuge. Ursprünglich ein Backsteingebäude, wurde die Anlage 1907 erweitert und erhielt dabei ihre schwungvolle Jugendstilfassade. Der imposante, von zwei Seiten aus begehbare Treppenaufgang war auch im ursprünglichen Gebäude schon vorhanden. Die zur Alten Weinsteige anschließenden Wohngebäude waren Bestandteil der Erweiterung von 1907.
Mit den Jahren entwickelte sich der Marienplatz immer mehr zu einem Verkehrsknoten für die Straßenbahn. Daher wurde Anfang der 30er Jahre entschieden, den Talbahnhof direkt in die Mitte des Geschehens zu verlegen. Die ehemalige Station an der Filderstraße 47 diente von da an nur noch als Werkstatt und Depot. 1951 bekam die alte Anlage eine zusätzliche dreigleisige Werkstatthalle, In den 60er Jahren wurden ihr gegenüber zum Hang hin zusätzliche Werkstattgebäude angebaut. Bis heute kommen die Zahnradbahnen in ihre unterschiedlichen Großgaragen mit einer Schiebebühne, die zwischen den Abstellhallen liegt.
Eigentlich sollte der alte Gebäudekomplex 1974 abgerissen werden, da die Fahrzeuge in den Hallen aus den 60er Jahren unterkamen. Doch das Gebäude stand unter Denkmalschutz, und in der SSB reifte die Idee einer kulturellen Nutzung. Später zeigte sich, dass die längeren Zahnradwagen, die im Zuge des Stadtbahnbaus beschafft worden waren, in den alten Wagenhallen prima Platz hatten. Also wurde das Gebäude rustikal renoviert und erhielt prompt den Spitznamen „Schwarzwaldhalle“. 1992 schließlich zog das schon länger bestehende Theater Die Rampe ein.

Theater Die Rampe

Der Eingang zum Theater ist von vorne über den Aufgang der Jugendstilfassade. Als Foyer dient auch ein Teil der „Schwarzwaldhalle“. Die Theaterbesucher können dort abends die zur „Nachtruhe“ ins Depot rangierten Zahnradbahnen bewundern. Ebenfalls von dort sichtbar sind die originalen Spannstreben der alten Bahnhofshalle unter dem Dach.

Gebäude Filderstraße 34, 45

Schaut man vom Gehsteig der gegenüberliegenden Straßenseite aus auf das Portal des Theaters und lässt den Blick nach links schweifen, wird in der Filderstraße 45 ein weiteres ehemaliges SSB-Wohngebäude mit grünem Teilanstrich erkennbar. Es wurde um 1903 gebaut, die Steinfassade harmonisiert architektonisch mit der des alten Zahnradbahnhofs. Schräg gegenüber befindet sich an der Ecke Lehen- / Filderstraße eine alte Villa mit der Hausnummer 34. Dieses Gebäude war nie in SSB-Besitz, es gehörte dem Unternehmer Heinrich Mayer, Mitbegründer der Neuen Stuttgarter Straßenbahnen von 1886. Er wohnte dort etwa von 1907 bis zu seinem Tod 1911. Für die Straßenbahn zog Mayer nach der Fusion von 1889 jahrelang als Aufsichtsratsmitglied die Strippen. Zur Wende ins 20. Jahrhundert hob Mayer in Altbach übrigens auch die Neckarwerke aus der Taufe und schuf damit die erste größere Überlandstromversorgung in Württemberg.
Das Gebäude wurde 1979 von der Stadt Stuttgart renoviert und Kreativen in Malerei und Musik zur Verfügung gestellt – der Kunstraum 34 entstand.

Türmchen Liststraße und Wohngebäude Liststaffel

Am Wohngebäude der Filderstraße 47 beginnt die zum Haigst führende Alte Weinsteige als Fußweg. Läuft man hier ungefähr 200 Meter entlang des zum Zahnradbahndepot führenden Gleisabzweigs, befindet sich kurz vor Erreichen der Liststraße auf einer kleinen Grünanlage auf der rechten Seite ein imposantes Türmchen. Das Schmuckstück gehörte früher zum reich verzierten Betriebshofgebäude am Marienplatz. Es wurde aus Erinnerungsgründen nach Abriss der Anlage hier direkt über dem Heslacher Tunnel aufgestellt.
Ein paar Schritte weiter nach oben wird die Liststraße erreicht. Direkt geradeaus ist die Streckenteilung der Zahnradbahngleisanlage zwischen Depot und Bahnhof Marienplatz zu sehen. Rechts fällt ein Ziegeleckhaus auf, das an der Liststaffel 8 steht. Es ist ein weiteres SSB-Wohngebäude, ebenso wie die Objekte an der Liststaffel 4 bis 6 und 5 bis 9. Alle diese Häuser wurden 1903 gebaut.

Zu Fuß die Liststaffel hinunter, zurück auf den  Marienplatz, Ecke Filder- Hauptstätter Straße

Betriebshofgelände mit Verwaltung in der Hauptstätter Str. 153 und Filderstraße 44

Jetzt ist echtes Vorstellungsvermögen gefragt – beide Hausnummern existieren heute nicht mehr. Sie beherbergten den Rest dessen, worauf in früheren Zeiten das Türmchen von der Liststraße thronte: Einen mächtigen Gebäudekomplex, der durch diverse Wechselbäder der Geschichte hindurch viele Jahre lang als Betriebshof und Verwaltung der Stuttgarter Straßenbahnen diente.
Einen Überblick kann man sich am besten von der südöstlichen Ecke des Marienplatzes an der Ampelanlage über die Hauptstätter Straße verschaffen. In früheren Zeiten machte die Hauptstätter Straße den Knick hin zum Heslacher Tunnel noch nicht, sondern mündete in gerader Linie direkt am Marienplatz in die Filderstraße. Die Gebäude von Betriebshof und Verwaltung reichten dort etwa bis zum Mittelstreifen der heutigen Trassenführung der Hauptstätter Straße. An der Ecke Filder- / Hauptstätter Straße lag die Filderstraße 44 mit einem 1897 gebauten Wohnhaus, das nach dem Zweiten Weltkrieg teils für die Verwaltung genutzt wurde. An seinem anderen Ende wurde das Areal von der Kolb- und der Heusteigstraße eingefasst. Wer möchte, kann in einem kurzen Rundgang das Areal umlaufen, um sich eine Vorstellung von den Ausmaßen des alten Betriebshofs zu machen.
Auf dem 1891 gekauften Gelände an der Hauptstätter Straße wurden zunächst provisorische Wagenschuppen aufgestellt. Drei Jahre später fiel die Entscheidung zum Bau eines Betriebshofs für elektrische Fahrzeuge. Ein reich mit Türmchen und Zinnen verzierter Gebäudekomplexes entstand. Der Betriebshof mit Einfahrt an der Hauptstätter Straße 151 war schon 1895 fertig. Im Folgejahr zog die vorher in der Königstraße befindliche Verwaltung in die Hauptstätter Straße 153 ein. Das Fahrzeugdepot war doppelgeschossig mit Einfahrt in die untere Halle von der Hauptstätter Straße aus, und in die obere Halle von der Filderstraße aus. In beiden Hallen gelangten die Wagen über eine Drehscheibe auf die verschiedenen Abstellgleise.
1925 zog die SSB-Verwaltung in die Friedrichstraße um. Das dortige Gebäude wurde 1944 völlig zerstört. Bis zur Einweihung der SSB-Zentrale in Möhringen 1975 wurden daher Teile der Administration wieder in die frühere Verwaltung am Marienplatz verlagert. Der Betriebshof musste schon 1963 geschlossen werden, weil der PKW-Verkehr in der Hauptstätter Straße vom Rangieren der Straßenbahnen beim Hinein- und Hinausfahren zu sehr gestört wurde. 1982 – die Planungen für den Heslacher Tunnel hatten gerade begonnen –  verkaufte die SSB das Areal an die Stadt, sechs Jahre später wurden die historischen Gebäude abgerissen.

Ein Stück den Marienplatz entlang Richtung Böheimstraße bis zur Brücke der Zahnradbahn

Filderstraße 57 A+B, 59

Schaut man auf die Filderstraße, kann man zwischen Zahnradbahnbrücke und Heslacher Tunnel zwei Doppelhaushälften erkennen, die Nummern 57 A und B. Sie wurden 1905 von der SSB für Angestellte gebaut, in den 1980er Jahren aber an die Stadt verkauft. Das Ziegelbauwerk ähnelt den Häusern in der Liststaffel und Augustenstraße – alle Objekte wurden relativ zeitnah errichtet.
Auf der anderen Seite der Brücke fällt ein hohes kalkweißes Haus auf, die Filderstraße 59. Hier stand einst eine schmucke Villa, die erst dem Straßenbahndirektor Ernst Lipken als Wohnstatt diente, später seinem Nachfolger Paul Loercher. Als 1934 der Talbahnhof der Zahnradbahn zum Marienplatz hin verlegt wurde, musste das Haus der für die Auffahrt zur Weinsteige benötigten Brücke weichen und wurde abgerissen.

Weiter bis zum Eingang in die unterirdische Stadtbahnhaltestelle

Hohenstaufenstraße

Vom Eingang zur Stadtbahnhaltestelle kann man direkt in die aus nordöstlicher Richtung steil von oben auf den Marienplatz zulaufende Hohenstaufenstraße sehen. Dort startete der elektrische Versuchsbetrieb der SSB am 24. August 1892 mit zwei von der AEG aus Halle/Saale gelieferten Motorwagen. Der Strom wurde mittels einer Dynamomaschine erzeugt. Die mit einer beträchtlichen Steigung von 5,4 % versehene Versuchsstrecke sollte zeigen, in welchem Grade das neue System leistungsfähig war. Als treibende Kraft der elektrischen Straßenbahn gegen zahlreiche Widrigkeiten galt der damalige SSB-Chef Ernst Lipken. Den Probebetrieb finanzierte die Stadt damals jedoch mit: Ihr war an einer schnellen Elektrifizierung gelegen, um die Linienstrecke von der Schwabstraße zum Pragfriedhof mit ihren starken Steigungen besser bedienen zu können.
„Im großen und ganzen hat sich der neue Betrieb recht gut bewährt“, lobten die Medien, als die Versuchsfahrten im Dezember 1892 beendet wurden. Das Ergebnis war der Startschuss zur Einführung der elektrischen Straßenbahn bei der SSB ab 1895. Warum sich das so lange verzögerte? Die Stuttgarter Gemeindeväter mussten erst schnell ein Kraftwerk bauen lassen – ein solches gab es in der Stadt noch nicht!

Stadtbahnhaltestelle Marienplatz

Mit den Jahrzehnten mauserte sich der Marienplatz von einer dünn bewohnten Stadtrandzone zu einem Verkehrsknotenpunkt. 1895 ging als eine der ersten elektrischen Straßenbahnstrecken die legendäre Linie 3 in Betrieb, die auch die Hohenstaufenstraße hinauf fuhr. Die „Rundbahn“ fuhr vom Marienplatz über die Silberburg- und Schlossstraße zum Schlossplatz, von dort aus über die Planie zur Olgastraße und wieder zum Marienplatz. Ende der 1950er Jahre hielten neben der Zahnradbahn sechs weitere Linien auf dem Marienplatz: Die Nummern 1, 3, 11, 12, 14, 15. Noch vor der Auflösung des Betriebshofs wurde die Linie 3 1961 und 62 in zwei Schritten eingestellt. Nach der 1967 erfolgten Fertigstellung der neuen Haltestelle Charlottenplatz war die Strecke von dort zum Marienplatz das erste echte Linienstück, auf dem ab 7. September 1971 untertunnelt gefahren wurde.
Am Eingang zum unterirdischen Stadtbahnhof befindet sich rechts an der Wand neben der Treppe ein „Flügelrad“ aus Sandstein, das als Symbolstein zur Elektrifizierung von 1893 in die Fassade des Straßenbahnbetriebshofs Marienplatz gesetzt worden war. Vor den Rolltreppen zu den Bahnsteigen ist eine Tafel mit Daten zur Historie der Zahnradbahn angebracht.

Zu Fuß hinüber zur heutigen Zahnradbahn-Talstation

Neuer Zahnradbahnhof Talstation

Der neue Talbahnhof der Zahnradbahn am Marienplatz wurde ab 1931 vom renommierten Architekten Paul Bonatz gebaut, um einen direkten Anschluss an das Straßenbahnnetz zu schaffen. Dazu entstand ein neuer Streckenabschnitt, der an der Liststraße abzweigt und mit einer Brücke über die Filderstraße das Talniveau erreicht. Nach der Einweihung im Winter 1936 soll sich der Verkehr sprunghaft verdoppelt haben. 1956 war die Zahnradbahn mit über 10.000 Fahrgästen pro Tag sogar der stärkste Streckenabschnitt der SSB.
1944 wurde der Bahnhof zerbombt, bis 1949 wieder aufgebaut. Im Zuge der Bauarbeiten für die Stadtbahn musste der Zahnradbahnhof von Bonatz abgerissen werden und machte 1971 einer neuen Talstation Platz. Zum vierten und bislang letzten Mal wurde der Zahnradbahnhof im Jahr 2002 erneuert. Dies geschah im Zuge einer städtebaulichen Neugestaltung des Marienplatzes. Ergebnis war eine zierliche, filigrane Station mit wenig Sichtbeeinträchtigung auf den freien Platz.

Zahnradbahn

Die Zahnradbahn wurde 1884 von Emil von Kessler gebaut, vormals Eigner und Chef der Maschinenfabrik Esslingen, die sein gleichnamiger Vater gegründet hatte. Die Bahn war das nötige Verbindungsstück, um die Filderebene von Stuttgart aus mit Maschinenkraft erreichen zu können. Die Strecke wurde zunächst von den beiden Dampfloks „Stuttgart“ und „Degerloch“ erklommen, ab 1904 fuhren auch elektrische Triebwagen vom Marienplatz hoch nach Degerloch. Fünfzehn Jahre später wurde dieser Mischbetrieb eingestellt, gefahren wurde von da an nur noch elektrisch.
Mit einer maximalen Steigung von 17,8 Prozent die Alte Weinsteige hoch schnaufend, gewann die Zahnradbahn schnell die Herzen der Menschen aus Stuttgart und Umgebung. Wochentags wurden mit ihr auch landwirtschaftliche Produkte von den Fildern nach Stuttgart transportiert. Ursprünglich gehörte sie der Filderbahn AG und war der Startschuss, um die Filderebene weiter schienentechnisch zu erschließen. 1920 kaufte die Stadt Stuttgart den größten Teil des Fildernetzes und übertrug den Betrieb der SSB. Mit dabei war auch das Herzstück Zahnradbahn. Erst 1934 wurde das behäbige Berg-Gefährt mit heute etwa 30 km Maximalgeschwindigkeit richtiges Eigentum der Straßenbahn: Die Stadt wollte die notorisch defizitären Strecken auf den Fildern loshaben. Sie versüßte der SSB den Kauf der „unglücklichen Anlage“, wie mancher Aufsichtsrat stöhnte, mit guten Konditionen und einer Verlängerung der Straßenbenützungsrechte für ihr komplettes Netz.
Heute darf sich die Zahnradbahn die einzige deutschlandweit ihrer Spezies nennen, die in ein öffentliches Schienennetz integriert ist. Die verkehrstechnische Besonderheit erhielt 1983 mit den ZT 4 im Zuge der Stadtbahnumstellung völlig neue Wagen, etwas schwergewichtig geratene Brummer mit voran gestelltem Fahrradwagen. In Stuttgart ist sie die einzige auf Schmalspur gefahrene Linienstrecke.
Mit dem 1994 abgeschlossenen Bau der neuen Endhaltestelle Degerloch auf dem Albplatz ist die Zahnradbahn um 200 ebene Meter verlängert worden. Seitdem beträgt die Streckenlänge der „Zacke“ 2.227 Meter.

Weiter mit der Zahnradbahn nach Degerloch, Ausstieg Zahnradbahnhof

Weinsteige, alte

Gleich nach Inbetriebnahme der Strecke 1884 boomte Sonntags der Ausflugsverkehr auf der schönsten Schienenstrecke Stuttgarts, die „eine neue herrliche Rundschau“ bis zur Alb hin ermöglichte.
Auf der Wielandshöhe befindet sich ein altes Stellwerkhäuschen aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts. Es wurde nötig, als 1903 an der Stelle eine Ausweiche gebaut wurde. Seit 1957 ist das Stellwerk nicht mehr in Betrieb, beherbergt aber noch technische Einrichtungen. Die Ausweiche ist nach wie vor Treffpunkt der von oben und von unten kommenden Zahnradbahnen. Wer aussteigen und die Anlage in Ruhe inspizieren möchte, wird auf der anderen Straßenseite auch mit einer grandiosen Aussicht von der Wielandshöhe auf Stuttgart belohnt. Fünfzehn Minuten später kann es mit der nächsten Zahnradbahn weiter gehen.
Zur Überführung der Neuen Weinsteige nach der Haltestelle Haigst soll Emil von Kessler ein umfangreiches Stahlbrückenbauwerk verwendet haben, das ursprünglich für Izmir vorgesehen war. Das 110 Meter lange achtteilige Stück soll aber von seinem Besteller nie abgeholt worden sein. So wurde das fortan „Türkenbrücke“ genannte Konstrukt eben für die Zahnradbahnstrecke verwendet. 1965 wurde das kunstvolle Bauwerk durch die heutige Betonbrücke ersetzt, die kürzer und gerader ist, als ihre Vorgängerin.

Zahnradbahn Station Degerloch

Auch Degerloch erhielt 1884 seinen Zahnradbahnhof. Er lag eine Station vor dem heutigen Endhaltepunkt und bot direkte Umsteigemöglichkeiten auf die Filderbahn. Der Degerlocher Zahnradbahnhof war nach dem Bahnhof in Vaihingen der zweite Schienenanbindungspunkt  für die Filderebene.  
Das wegen seiner Gedrungenheit auch „Hundehütte“ genannte Gebäude lag von der heutigen Haltestelle „Zahnradbahnhof“ ein Stückchen weiter ortseinwärts an der Ecke Heuglinweg – Jahnstraße. Es musste 1931 dem Straßenverkehr weichen und wurde abgerissen. An seiner Stelle entstand ungefähr auf Höhe der Haltestelle ein schlichtes lang gezogenes  Flachdachgebäude, inklusive „Beiz“, einer Kleinwirtschaft. Seine Bausubstanz war wegen der Wirtschaftskrise der 30er Jahre nicht optimal – was 1977 das Aus für den marode gewordenen Bahnhof bedeutete. Ein neues, optisch ähnlich gehaltenes Bauwerk entstand. 1997 wich auch dieser Bahnhof den Baggerschaufeln – inzwischen war die Zahnradbahn zur Albstraße hin verlängert worden. Auf seiner Fläche wurde ein Seniorenheim mit Namen „Haus am Zahnradbahnhof“ errichtet. Den alten Haltestellennamen „Zahnradbahnhof“ behielt die SSB aus Traditionsgründen bei.

Kurzer Fußweg an der Stadtbahnhaltestelle vorbei entlang der Löffelstraße zum Albplatz, dann weiter zur Albstraße

Degerloch, Betriebshofgelände

Der Betriebshof Degerloch wurde von der SSB 1931 am Albplatz gebaut, kurz nachdem der Bahnhof Degerloch West in Betrieb genommen war. Nach Fertigstellung bot er für 46 Wagen der SSB-Linien 5, 16 und 16E Platz, die bis Degerloch reichten. 1967 wurde er erweitert, 1990 stillgelegt – die auf Straßenbahnen ausgelegte Infrastruktur war für die Stadtbahn nicht mehr tauglich. Die SSB beschloss eine Umnutzung, zu Beginn der 1990er Jahre wurde auf dem Gelände ein großer Wohn-, Büro- und Parkhauskomplex errichtet. 1994 verlieh der Nahverkehrsbetrieb Degerloch eigenen Worten zufolge eine neue Pforte: Ein 14 Stockwerke hoher Büroturm auf dem Gelände war nun fertig, der ein markanter Blickfang in der Umgebung ist. Unter dem Gebäudekomplex befindet sich eine Tiefgarage für Park und Ride Möglichkeiten. Die Liegenschaften befanden sich bis vor wenigen Jahren in SSB-Besitz.
Das ehemalige Betriebshofsgelände wurde eingegrenzt von der Löffel-, Alb- und Schöttlestraße. An der Löffelstraße lagen vor dem Betriebshof zwei Straßenbahngleise (wie heute die Stadtbahngleise), ihr entlang zog das Depot sich ungefähr bis zur heutigen Schöttlestraße 18 hin.

Nach knapp 150 Metern entlang der Albstraße gelangt man zur Schöttlestraße

Degerloch, Schöttlestraße

Mit dem Bau des Betriebshofs hatte die SSB ein starkes Interesse, Wohnraum für die Beschäftigten in der unmittelbaren Umgebung zu schaffen. Sie erreichte, dass die Baugenossenschaft der Straßenbahner Friedenau ein geplantes Projekt auf dem Pragsattel zurückstellte und direkt neben dem Degerlocher Betriebshof baute. Dafür erhielt die Friedenau finanzielle Unterstützung von der SSB. Die Häuser in der Schöttlestraße 1-19 mit insgesamt 70 Wohnungen waren schon im November 1930 bezugsfertig. Die Friedenau-Wohnanlage in der Schöttlestraße wurde 1956 um weitere 16 Wohnungen in der Schöttlestraße 21-23 erweitert. 1995 wurden auf einem Teil des ehemaligen SSB-Betriebshofgeländes 56 zusätzliche Wohnungen fertig gestellt, die in der Schöttlestraße 12-18 liegen.
Die Schöttlestraße ist benannt nach dem Begründer der Stuttgarter Pferdebahn Georg Heinrich Schöttle. Näheres über Schöttle ist unter Route 5 Stuttgart Nord – Feuerbach, „Grab Schöttle“, zu erfahren.  

Mit der U5, 6, oder 12 von der Haltestelle Degerloch  Albstraße Richtung Innenstadt

 

Weinsteige, neue

Die Neue Weinsteige wurde seit 1904 von der Straßenbahn befahren, zunächst mit der Neuen-Weinsteige-Linie der Filderbahn, die von Degerloch zum Bopser fuhr. Unter SSB-Regie wurde sie mit Schienenfahrzeugen erst ab 1920 erklommen, nachdem die SSB die Betriebsführung über die Filderbahn übernommen hatte. Dies geschah zunächst mit der Linie 5, zwei Jahre später kam die Linie 16 dazu. Die Neue Weinsteige galt wegen ihrer Aussicht als eine der schönsten Straßenbahnstrecke Europas.
Mit der Eröffnung des Weinsteigtunnels 1987 zwischen den Haltestellen Bopser und Weinsteige endete die 83 Jahre währende Ära des Straßenbahnverkehrs auf der Neuen Weinsteige. Im Vorfeld des Baus hatte es heftige Bürgerproteste gegeben. Sie hatten dazu geführt, dass „zum Trost“ ein Stück Tunnelfenstertrasse im Weinsteigtunnel eingebaut wurde – einige Momente freie Sicht auf die unter der Strecke liegende Metropole.   
Mit beachtlichen 7,8 Prozent ist der Weinsteigtunnel eine der steilsten Tunnelstrecken in Deutschlands Nahverkehrsnetzen. Bis in die Gegenwart erinnern alte Gittermasten auf der Neuen Weinsteige an die frühere Straßenbahn, sie dienen heute nur noch der Straßenbeleuchtung.

Ausstieg Charlottenplatz oder Hauptbahnhof, Tourende.

Kontaktlos zum Stadtsparziergang.

Ohne Automat und ohne Registrierung. Jetzt die SSB Move App runterladen und Tickets lösen. Der perfekte Begleiter für Ihre Reiseanlässe in Stuttgart.

Dieser Blogartikel entstand in Kooperation mit Claudia Lorenz. Interessante historische Spaziergänge mit Frau Lorenz gibt es bald wieder auf unserer Webseite zu buchen. Aufgrund der aktuellen Situation wird diese Kulturveranstaltung derzeit nicht angeboten.