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SSB-Stadtspaziergang Route #4

Die Route im Überblick

Beginn: Berliner Platz

Berliner Platz
Weiter mit U29 oder U34 in Richtung Botnang bis zur Schloss-/ Johannesstraße

Post Senefelder Straße
Weiter zu Fuß bis zur Reuchlinstraße und Augustenstraße

Ehemaliges Straßenbahndepot Westend

Wohngebäude Augustenstraße
Zu Fuß die Schwabstraße entlang Richtung Süden

Schwabtunnel
Zu Fuß bis zur Stadtbahnhaltestelle Erwin-Schöttle-Platz, weiter mit der U1 oder U34 zur Haltestelle Vogelrain

Betriebshof Heslach
Zu Fuß zur Talstation der Seilbahn

Standseilbahn Talstation
Fahrt mit der Seilbahn hinauf

Standseilbahn Bergstation
Fahrt mit der Seilbahn hinunter

Ende: Südheimer Platz

Beginn: Berliner Platz

Berliner Platz

Der Berliner Platz erhielt mit der Rundbahn der Neuen Stuttgarter Straßenbahn schon 1888 Schienenanschluss. Streckenführung und Anlage wurden in der Vergangenheit häufig modifiziert. Die heutige Grundform der Schienenlegung hat der Berliner Platz Mitte der 1950er Jahre erhalten. Während des Stadtbahnbaus wurde er mehrmals gleistechnisch angepasst, so etwa in den 1980er und Anfang der 2000er Jahre. Der vorläufig letzte Umbau geschah 2015, als Z-Überwege zur Gleisquerung der Fußgänger eingerichtet wurden. Diese in den 90er Jahren von der SSB entwickelten Wege führen die Passanten in Z-Form über die Gleise, so dass ihr Blick automatisch auf mögliche herannahende Stadtbahnen gelenkt wird.

Der Berliner Platz besitzt das einzige oberirdische Schienenkreuzungsbauwerk in der Stuttgarter Innenstadt. Auf der Kreuzung fahren die Stadtbahnen nicht ausschließlich auf eigenem Gleiskörper, sondern benutzen die Straße mit.

Weiter mit U29 oder U34 in Richtung Botnang bis zur Haltestelle Schloss-/ Johannesstraße. Von dort an der nächsten Kreuzung in Fahrtrichtung nach links Abzweig in die Senefelder Straße

 

Poststraßenbahn Senefelder Str. 49

Um die Post in der Senefelder Straße 49 sind in Richtung Schlossstraße rund um das Postgebäude noch viele Haken in den Häusern zu erkennen, an denen früher die Oberleitungen der Straßenbahn befestigt waren. Auch im Innenhof sind am Postgebäude noch solche Haken angebracht. Sie sind die einzigen noch sichtbaren Kennzeichen, dass die Straßenbahn einst die Post anfuhr.

Ein vollständiger Oberleitungshaken mit Rosette ist auf dem auf dem Haus mit Treppenaufgang links neben der Einfahrt zur Post zu erkennen. Ein weiterer befindet sich schräg gegenüber in der Senefelder Straße 54, Ecke Leuschnerstraße.

Die ab 1920 einsetzende Inflation und der mit ihr verbundene Fahrgastschwund war einer der Gründe der SSB, sich auf das Nebengeschäft mit der Post einzulassen: Besondere Straßenbahnpostwagen sollten von der Bahnpostanlage am Rosensteinpark fünf innerstädtische Postämter beliefern, unter ihnen auch das damalige Postamt 7 in der Senefelder Straße 49. Die einzelnen Ämter erhielten Schienen- und Fahrleitungsanschlüsse, und 1924 ging die Brief- und Paketverteilung per Straßenbahn los. Das Postamt in der Senefelderstraße wurde von der Schlossstraße aus angefahren, die Einfahrt auf das Postgelände erfolgte wie heute links vom Gebäudeeingang.

Nach dem 2. Weltkrieg überholte der anwachsende LKW-Fuhrpark die Straßenbahn in puncto Wirtschaftlichkeit. 1950 wurde die Zusammenarbeit zwischen SSB und Post eingestellt.

Die Anschlussgleise von der Schlossstraße zur Post wurden entfernt. Die Gleise an der Ein- und Ausfahrt des Postgeländes in der Senefelder Straße liegen teilweise noch im Boden, sie sind aber inzwischen überteert und nicht mehr sichtbar.

Weiter zu Fuß die Senefelder Straße entlang bis zur Gutenbergstraße, dort rechts bis zur Reuchlinstraße, links einbiegen und die Rotebühlstraße überqueren.

 

Straßenbahnbetriebshof Westend

Der Straßenbahnbetriebshof Westend umfasste das Areal Reuchlin-, Augusten-, Schwab- und Rotebühlstraße. Im Jahr 1882 kaufte der Mitgründer der Neuen Stuttgarter Straßenbahn (NSS) Heinrich Mayer das Areal um die Reuchlinstraße 19 und zog dort mit seiner Familie ein. Ab 1886 befand sich an der Adresse das NSS-Büro, ein Jahr später wurde ein Depot mit Gleisabzweigung zur Schwab- und Rotebühlstraße gebaut. Gleichzeitig zog Kompagnon Ernst Lipken, mitsamt Gattin frisch übersiedelt aus Ostpreussen, ins Mayersche Wohnhaus mit ein.

Nach der Fusion von NSS und Stuttgarter Pferdeeisenbahn (SPE) zur SSB von 1889 – mit Lipken als oberstem Steuermann – wurden Büro und Depot vorübergehend aufgegeben. Der Hintergrund: Schon Anfang der 1990er Jahre wurden am Marienplatz neue Abstellmöglichkeiten für die SSB-Wagen geschaffen. Doch die erfolgreiche Elektrifizierung führte zu einer rasanten Ausdehnung von Netz und Fuhrpark. Ab Dezember 1902 fuhr die Ringlinie, die spätere Linie 6, von der Schreiber- über die Schwab- und Rosenbergstraße zum Schlossplatz und dann hoch zum Bopser. Um Platz zur Unterbringung der Fahrzeuge dieser Linie zu schaffen, wurde das alte Depot Westend – nach dem Sprung in die Moderne nicht mehr zeitgemäß – vollständig abgerissen. Auf dem Gelände wurde ein neuer, abermals zweigeschossiger Betriebshof gebaut. Er wurde knapp ein halbes Jahr vor Einweihung der neuen Linie fertig, konnte etwa 80 der damaligen kleinen Straßenbahnwagen aufnehmen und besaß drei Ausfahrten in die Reuchlin-, Augusten- und Schwabstraße.

Von der Reuchlinstraße aus ist heute von dieser Infrastruktur nichts mehr zu sehen. Die Einfahrt in den Betriebshof befand sich ursprünglich ungefähr auf Höhe der heutigen Tiefgarageneinfahrt. In der Reuchlinstraße 13 sind vom Innenhof aus auf der Rückseite des Gebäudes Augustenstraße 84 noch Deckenträger der unteren Halle erkennbar. Man sieht von dort auch die Hofausfahrt zur Augustenstraße. Das Betriebshofgelände lag ursprünglich viel tiefer, es wurde im Zuge späterer Bauten aufgeschüttet.

Biegt man von der Reuchlinstraße nach rechts in die Augustenstraße ein, so passiert man zunächst unter der Hausnummer 82a ein Gebäude mit historischem Firmenschild der ehemaligen Karosseriefabrik Reutter, die nach dem 2. Weltkrieg Teil von Porsche wurde. Links daneben befindet sich ein prächtiges Backsteingebäude aus der Gründerzeit. Es trägt die Hausnummern 84 a und b. In seiner Mitte ist das noch im Original erhaltene Tor des Betriebshofs Westend zur Augustenstraße zu sehen, durch das bis in die 1960er Jahre Straßenbahnen fuhren.

Im 2. Weltkrieg wurde der Betriebshof stark beschädigt, aber frühzeitig wieder aufgebaut. Da  Reutter die Reparatur kriegsbeschädigter Straßenbahnwagen übernahm, gewann das Depot erneut an Bedeutung. Mit Einzug der erheblich voluminöseren GT 4-Züge in den SSB-Fuhrpark ab 1959 war das Ende des Depots in seiner bisherigen Nutzung besiegelt. 1967 wurde es geschlossen.

Zu Fuß die Augustenstraße entlang.

 

Dienstwohngebäude Augustenstr. 84, 98 und 100

Das auf dem ehemaligen Betriebshofsgelände befindliche Haus in der Augustenstraße 84 a baute die SSB 1901 als „Dienstwohngebäude“. Es sollte bevorzugt SSB-Beschäftigten eine Bleibe bieten, die im Depot Westend arbeiteten. Wie der ursprüngliche Name des Hauses sagt, enthielt es auch einige Diensträume für den Betriebshof.

Etwas weiter oben baute die SSB in den Jahren 1908 und 1909 in der Augustenstraße 98 und 100 weitere Wohngebäude für ihre Beschäftigten. Diese schlichteren Ziegelhäuser sind kurz nach der Kreuzung Schwabstraße zu finden, sie gehören noch heute der SSB. Im Jahr 2015 wurden die denkmalgeschützten Häuser aufwändig und stilvoll renoviert.

Zurück zur Schwabstraße, dann nach rechts in Richtung Schwabtunnel

 

Schwabtunnel

1896 wurde der Schwabtunnel als erster deutscher Straßentunnel eingeweiht. Er diente als Verbindung zwischen dem Stuttgarter Westen und Süden. Ab 1902 eroberte ihn mit der Ringlinie (später: Linie 6) auch die Straßenbahn – der Schwabtunnel war der erste und bis 1972 einzige Straßentunnel Stuttgarts mit Schienenbelag. Mit wechselnden Linienführungen wurde die Süd-Westachse von der Schreiberstraße über die Schwab- und Rosenbergstraße später auch Richtung Osten bis Gablenberg erweitert. 70 Jahre gehörten die Gleise zum Interieur des Schwabtunnels, die Straßenbahn machte nur einmal eine Zwangspause: Im 2. Weltkrieg wurde der Tunnel zum Schutzraum umfunktioniert, die Linie endete, vom Rosenbergplatz kommend, an der Schwab- Augustenstraße. 1972 endete die Ära des Schienenverkehrs im Schwabtunnel: Die Buslinie Nummer 42 übernahm die Teilstrecke der Straßenbahnlinie 8 von der Schreiberstraße über den Westen und Hauptbahnhof bis zum Ostendplatz, 6 Jahre später verkehrte sie auch auf dem Reststück des 8ers über Gablenberg und Alexanderstraße zunächst bis zum Berliner Platz, ab 1984 bis zum Schlossplatz.

Weiter zu Fuß durch den Schwabtunnel, danach rechts die Schickhardtstraße hinunter zur Stadtbahnhaltestelle Erwin-Schöttle-Platz. Mit der U1 in Richtung Vaihingen oder der U34 in Richtung Heslach bis Vogelrain.

 

Heslach Betriebshof

Unter dem mächtigen westlich aus dem Tunnel heraus führenden Brückenkonstrukt der B 14 liegt neben der SSB-Haltestelle Vogelrain eingekeilt von Betonpfeilern der Heslacher Betriebshof. Bereits im Jahr 1930 hatte die Straßenbahn Teile des Grundstücks mit dem idyllischen Namen Heidenklinge erworben, mit dem Plan, eine Wagenhalle darauf zu bauen. Doch das musste erst einmal warten: 1955 wurde lediglich eine „Freiluft-Abstellanlage“ für Straßenbahnen eingerichtet. 1970 schließlich wurde hier der letzte neue SSB-Betriebshof für Straßenbahnen gebaut, wodurch der alte Betriebshof in Südheim an der Kreuzung Böblinger / Leonberger Straße geschlossen werden konnte. Auf dessen ehemaligem Gelände befindet sich heute eine Altenwohnanlage und ein Supermarkt.

Im Zuge der Systemumstellung auf Stadtbahn wurde das Heslacher Depot von 1982 bis 1984 aufwändig umgebaut. Aus einer schlichten Straßenbahnabstellhalle wurde so ein stattlicher Stadtbahnbetriebshof – der erste seiner Art in der SSB-Infrastruktur. Das war auch nötig: Ab 1985 hielten die DT 8-Stadtbahnwagen Einzug in das Schienennetz. In der SSB-Zentrale in Möhringen gab es zu diesem Zeitpunkt zwar schon die 1971 eingeweihte auch für Stadtbahnen eingerichtete Hauptwerkstätte, aber noch kein Depot. Der Möhringer Betriebshof entstand schließlich in zwei Bauschritten 1989 und 1994. Neben den Anlagen in Remseck und in Möhringen ist der Heslacher Betriebshof heute eines der drei Stadtbahnwagendepots. Im Vergleich zu früheren Zeiten, als es verstreut auf der gesamten Gemarkung bis zu 10 Straßenbahnbetriebshöfe gab, eine ordentliche, überschaubare Zahl!

Von der Haltestelle Vogelrain führt ein öffentlicher Fußweg in Laufrichtung linksseitig entlang der Schienen direkt am Betriebshofgelände entlang ein Stück zurück. Auf einem Fußgängerüberweg können nach rund 200 Metern links die Ausfahrgleise des Betriebshofs gequert werden, um die Hallen von vorne einzusehen.

Achtung: Bitte auf den öffentlichen Wegen bleiben und die Betriebshofanlage nicht betreten.

Zu Fuß: Weitere 200 Meter entlang der Böblinger Straße, vor der Haltestelle Südheimer Platz nach rechts in die Seilbahnstraße einbiegen, weiter zum Ziel Standseilbahn. Fahrt hinauf.

 

Standseilbahn

Ursprünglich als eine Art Notbehelf geplant, um den auf der steilen Strecke notorisch defizitären Busverkehr zu ersetzen, wurde 1929 die Standseilbahn vom Südheimer Platz in Heslach zum Waldfriedhof eingeweiht. Sie war das erste automatisch gesteuerte Exemplar dieser Art in Deutschland. Dass ein defektes Kugellager die Jungfernfahrt abrupt beendete, tat der Begeisterung der Stuttgarter für das schmucke Stück aus Mahagoni-Holz keinen Abbruch.

Beim Jahrhundertsturm „Lothar“ Ende 1999 wurde einer der beiden Wagen stark beschädigt. Kurz nach der aufwändigen Reparatur drohte der Seilbahn ein Jahr später der Garaus durch eine neue Brandschutzrichtlinie aus Brüssel. Begleitet von energischen Bürgerprotesten lag das Schicksal der denkmalgeschützten Anlage danach im wahrsten Sinne des Wortes in der Schwebe. 2003 beschloss der SSB-Aufsichtsrat einen umfassenden Umbau. Pünktlich zu ihrem 75sten Geburtstag wurde die Seilbahn 2004 wieder in Betrieb genommen, technisch modernisiert unter anderem mit Notausstieg, Türüberwachung und neuen Fangbremsen.

Die Seilbahn wurde wegen ihrer Auffahrt zum Waldfriedhof im Volksmund früher auch „Erbschleicherexpress“ genannt. Sie ist eine Standseilbahn und funktioniert nach dem Flaschenzugprinzip: Das Gewicht des hinunter fahrenden Wagens hilft mit, den hinauffahrenden nach oben zu ziehen. Damit ist der Fahrtakt klar: Es muss immer gleichzeitig eine Bahn nach oben und eine hinunter fahren. Eine Ausweiche ungefähr in Streckenmitte bewahrt vor Kollisionen.

In drei Minuten fährt die Standseilbahn von der Talstation in die Höhe zum Waldfriedhof. An ihren beiden Enden befinden sich Informationstafeln über das ungewöhnliche Verkehrsmittel. Oben können Technik-Interessierte außerdem mehr vom Innenleben der Seilbahn erfahren. Dort macht ein Schauantrieb nachvollziehbar, wie die Wagen bewegt werden. Gleichzeitig läuft ein historischer Antrieb „leer“ mit, um die Unterschiede zwischen damals und heute zu verdeutlichen.

Wer möchte, kann nach 17 Minuten mit der nächsten Seilbahn wieder nach unten fahren. Als Alternative lohnt sich ein Spaziergang über den Waldfriedhof, in dem zahlreiche Stuttgarter Prominente begraben liegen. Wieder nach unten geht es alle 20 Minuten.

Fahrt mit der Standseilbahn vom Waldfriedhof hinunter

Tourende: Südheimer Platz

 

Kontaktlos zum Stadtspaziergang.

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Dieser Blogartikel entstand in Kooperation mit Claudia Lorenz. Interessante historische Spaziergänge mit Frau Lorenz gibt es bald wieder auf unserer Webseite zu buchen. Aufgrund der aktuellen Situation wird diese Kulturveranstaltung derzeit nicht angeboten.