Nachhaltig unterwegs - das tut die SSB

17. Februar 2020
Wenn aus vielem Kleinen das große Ganze wird. Diesen Schriftzug tragen derzeit - stellvertretend für alle Busse und Bahnen - eine Bahn und ein Bus der SSB, denn sie sind als Ökomobil der Stadt unterwegs. Als Verkehrsunternehmen der Landeshauptstadt Stuttgart hat die SSB ein besonderes Augenmerk auf die Themen Luftreinhaltung, Klima- und Umweltschutz und kann in diesen Bereichen einige Maßnahmen vorweisen. Hier stellen wir drei dieser Maßnahmen vor.

Ich fahre elektrisch, seit 1895

Auf dem Gleis verbessert man ganz leicht seinen CO2-Fußabdruck, denn: alle Bahnen fahren mit 100 % Ökostrom. Die Stadtbahnen der SSB fahren schon seit 2016 mit Strom aus erneuerbaren Energien. Der Fahrstrom ist Mittelspannung, hier bezieht die SSB jährlich ca. 90 Millionen KWh. Alle SSB-Gebäude werden schon seit August 2012 mit Ökostrom versorgt. Hier bezieht die SSB jährlich ca. 15 Millionen KWh.

Seit Januar 2019 entsteht der Strom für die Stadtbahnen aus 100 % Wasserkraft und kommt aus Kraftwerken in Europa. Von diesen Kraftwerken sind ein Drittel jünger als 6 Jahre und ein Drittel jünger als 12 Jahre. Der haushaltsübliche Strom, also die Niederspannung für die SSB-Gebäude, entsteht ausschließlich aus einem Mix aus Wasserkraft, Windenergie, Solarenergie, Geothermie und Energie aus Biomasse.

Wenn bremsen etwas bewegt.

Die SSB-Busse sind mit einer verschleißfreien Dauerbremsanlage ausgerüstet. Diese Art des Bremsens vermeidet 70 % an Feinstaub, der sonst durch einen Bremsvorgang entsteht. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass die Betriebsbremse entlastet wird und es zu weniger Verschleiß kommt.

Mein Kraftstoff ist synthetisch, also bin ich clean.

Zum 01.01.2020 hat die SSB ihre gesamte Busflotte auf synthetischen Kraftstoff umgestellt, so genanntes GTL (Gas to Liquid). Dazu musste sie weder neue Busse anschaffen noch Infrastruktur anpassen: Statt herkömmlichem Diesel tanken die Busse Kraftstoff, der aus Erdgas unter Zufuhr von Sauerstoff und Wasserdampf hergestellt wird.

„Damit können wir jetzt, hier und sofort die Stickoxidemission und die Rußbelastung deutlich reduzieren“, begründet Markus Wiedemann die Maßnahme, die sich für ihn bestens in die Busstrategie der SSB einfügt. Die Emission von Stickoxiden (NOx) sinkt nachweislich um bis zu 20 % und die Rußbelastung durch die Standheizungen um 50 % – und zwar bei den Bestandsfahrzeugen. Bei 7 Millionen Litern Sprit, die die SSB-Busse jährlich verbrauchen, bedeutet das eine deutliche Reduktion bei den Stickoxiden und der Rußbelastung. Durch die Umstellung ist die gesamte Busflotte entsprechend der Definition der EU-Verordnung 2009/33/EG beziehungsweise 2019/1161E (Clean Vehicle Directive) „sauber“ unterwegs.

Zwar fallen für den synthetischen Kraftstoff Mehrkosten von bis zu 5 % an, dafür tritt der Effekt sofort ein, ohne Kosten für geänderte Infrastruktur, Umrüstung oder Neuanschaffungen. „Mit den Hybrid-Bussen sank der Kraftstoffverbrauch, beim 12m Parallel-Hybrid bereits auf 27 Liter Diesel/100 Kilometer. Jetzt ersetzen wir den noch durch GTL und so werden wir immer besser, was die Luftreinhaltewerte angeht“, betont Markus Wiedemann. Der elektrifizierte Antriebsstrang der Hybrid-Busse ermöglicht es ihnen, die Bremsenergie zu nutzen. Zudem reduzieren sie die Sekundäremissionen, die beim Bremsen entstehen (feinstaubverursachender Abrieb), deutlich. Jetzt werden die ohnehin schon guten Emissionswerte des Busses nochmal verbessert.

Der synthetische Kraftstoff ist für die SSB ein wirksamer Zwischenschritt auf dem Weg zum langfristigen Ziel: emissionsfreie Fahrzeuge einzusetzen. Zu diesem Ziel trägt auch die grüne Innenstadt-Welle bei: Schon seit Januar 2018 sind auf allen 6 Innenstadtlinien emissionsarme Busse unterwegs. Zum Ziel der Nachhaltigkeit werden außerdem noch dieses Jahr und in den folgenden Jahren emissionsfreie Gelenkbusse in Betrieb genommen.

  • Hintergrund: Der Weg zur emissionsfreien Mobilität

    Die Umstellung auf synthetischen Kraftstoff passt in den eingeschlagenen Weg der SSB hin zum langfristigen Ziel: der emissionsfreien Mobilität. Erste Rußfilter hat die SSB 1988 in die Busse eingebaut, seit dem Jahr 2000 hat sie nur noch Fahrzeuge mit Partikelfilter angeschafft. Ein Jahr später kam schwefelfreier Kraftstoff zum Einsatz und seit 2004 werden aschearme Schmierstoffe verwendet.

    Brennstoffzellen-Busse wurden bereits zwischen 2003 und 2005 getestet. Alle SSB-Diesel-Busse sind inzwischen mit Rußpartikel-Filter ausgerüstet, haben die grüne Umweltplakette und verfügen über ein Stickoxidminderungssystem.

    Auf der Suche nach alternativen Kraftstoffen ist die SSB schon seit Jahren. Bereits 2009 wurden erste Versuche gemacht, damals mit einem Kraftstoff, der aus Biomasse hergestellt wurde. Ein größerer Einsatz dieses Sprits kam aber nicht in Frage, da zur Herstellung Palmöl verwendet wurde und wegen der Food-for-oil-Debatte. Es konnte aber auf diesem Umweg bei der Suche nach alternativen Kraftstoffen getestet werden, welche Auswirkungen solche Kraftstoffe auf Motoren und die Infrastruktur haben, wenn sie zu 100 % gefahren werden. So wurden vier Citaro-Busse mit EEV-Motor über drei Jahre mit synthetischem Kraftstoff betrieben, um Auswirkungen auf Motor und Abgasanlage zu erproben. Insgesamt sind sie 250 000 Kilometer störungsfrei gefahren und haben dabei sogar wegen des höheren Brennwerts 2 % weniger Kraftstoff verbraucht. Damit war belegt: Den Fahrzeugen schadet der Kraftstoff nicht und auch die Zapfanlagen und alles drum herum bleibt unberührt, nur die Abgase änderten sich, das aber zum Positiven hin.

    Seit 2017 fanden erneut Probefahrten statt, um den synthetischen Treibstoff auch bei den Hybrid-Bussen und Euro-6-Bussen zu testen. Messungen hat die SSB mit dem TÜV Nord vorgenommen. Die erfolgreichen Tests belegten, dass auch die Busse neuerer Technik durch den synthetischen Kraftstoff keinen Schaden nehmen. Am 01.01.2020 erfolgte daher der Startschuss für den Großeinsatz des synthetischen Kraftstoffs in allen Bussen der SSB.