SSB schließt 2020 mit -27,3 Millionen Euro ab

Finanzielle Hilfen stützen das Jahresergebnis im ersten Corona-Krisenjahr

Mit ihrem Jahresabschluss 2020 von -27,3 Millionen Euro liegt die SSB um 600 Tausend Euro besser als im Jahr 2019. In den Abschluss des von der Corona-Krise geprägten SSB-Geschäftsjahres 2020 flossen 47 Millionen Euro aus dem ÖPNV-Rettungsschirm des Bundes und des Landes, mit dem in Baden-Württemberg 95 Prozent der Schäden ausgeglichen wurden, und 20 Millionen Euro von der Stuttgarter Verkehrs- und Versorgungsgesellschaft SVV ein. „Wir bedanken uns bei Bund, Land und der Landeshauptstadt Stuttgart für die Bereitstellung dieser Mittel“, erklärt der Kaufmännische Vorstand der SSB Mario Laube.

Die weltweite Pandemie prägte auch bei der SSB den Geschäftsverlauf 2020. Ab März hatte die SSB hohe Einnahmenverluste durch einen Rückgang der Fahrgäste zu verkraften. Rund 39 Prozent weniger Abonnenten als 2019 nutzen in den ersten neun Monaten des Jahres 2020 das Angebot des VVS. Aber auch der Gelegenheitsverkehr ist von sinkenden Fahrgastzahlen gekennzeichnet. Es gab im Lockdown weniger Anlässe für Mobilität: Sport, Besuche, kulturelle Veranstaltungen, Feiern, Nachtleben und Shopping erfuhren starke Einschränkungen, das Arbeitsleben war durch Homeoffice oder Kurzarbeit beeinflusst, die Präsenzzeiten in Schulen wechselnd. Zudem haben die Stuttgarter Straßenbahnen in Hygienemaßnahmen und -ausstattung wie Masken oder Zusatzreinigungen investiert.

Die SSB erlöste 2020 49,7 Millionen Euro, 16,1 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Das stärkste Segment ist nach wie vor der Berufsverkehr mit 42,9 Prozent Anteil an den Fahrgelderlösen der SSB, obwohl das Segment im Vergleich zum Vorjahr um 30 Prozent schrumpfte. Das zweitstärkste Segment bei den Fahrgeldeinnahmen ist ebenfalls nach wie vor der Gelegenheitsverkehr, der gleichzeitig auch den deutlichsten Rückgang in Vergleich zum Vorjahr aufweist: 43,5 Prozent. SSB und VVS gehen davon aus, dass die Zahl der regelmäßigen ÖPNV-Kunden weiter sinken wird, je länger die Pandemie andauert. Gleichzeitig wird vermutet, dass die Fahrgastzahlen rasch steigen werden, wenn die Krise beendet ist. Dennoch werden sie vermutlich das vorherige Niveau nicht sofort wieder erreichen. 

Die SSB hält während der Pandemie nahezu ihr komplettes Angebot aufrecht. Einzig die Nachtbusse blieben in den Betriebshöfen. Die Kombination aus weniger Fahrgästen und kompletten ÖPNV-Angebot ermöglichte es den Fahrgästen, in Fahrzeugen und Haltestellen die notwenigen Abstände zu wahren und ermöglichte die Mobilität der Stuttgarter Bevölkerung.

Trotz der Herausforderungen durch die Pandemie hat die SSB 2020 103,9 Millionen Euro investiert, um die Verkehrswende weiter voranzutreiben. 52,6 Millionen Euro flossen in Stadtbahninfrastruktur, davon 30 Millionen in die Verlängerung der U6, 20 Millionen in den Bau der verlegten Haltestelle Staatsgalerie. 16,3 Millionen Euro investierte die SSB in den Ausbau der Busflotte, vor allem in den umweltgerechten Ausbau. Weitere 706 Tausend Euro ermöglichten den Aufbau einer Wasserstofftankstelle und für 169 Tausend Euro beschaffte die SSB Fahrsimulatoren.

Die Tarifanpassung um durchschnittlich 1,9 Prozent im VVS ist 2020 erst zum 1. April umgesetzt worden, statt, wie bis 2018, jeweils zum Jahresbeginn. 2020 hat die SSB 18,9 Millionen Euro an Zuschüssen zum Ausgleich für die Reform der VVS-Tarifzonen erhalten, 4,4 Millionen Euro mehr als 2019. An Fördermitteln konnte die SSB 110 Millionen Euro einwerben, dazu gehören die Gelder aus dem ÖPNV-Rettungsschirm des Bundes wie auch 20 Millionen Euro aus GVFG-Mitteln und 27 Millionen Euro, die im Zusammenhang mit Stuttgart 21 flossen.

Die Zuschusssituation für den ÖPNV hat aus Sicht der SSB eine erfreuliche Entwicklung genommen. Seit Anfang 2020 traten die Novellen des Gemeinde-Verkehrsfinanzierungsgesetzes GVFG in Kraft. Dabei wurden die Bundesmittel aufgestockt und die Förderquoten der Landes-GVFG-Mittel angehoben. „Wir gehen davon aus, dass wir auch 2021 Gelder aus dem Rettungsschirm benötigen und erhalten werden“, sagt der Kaufmännische Vorstand Mario Laube. Derzeit hat die SSB 22,8 Millionen Euro eingeplant.

Im Laufe der Corona-Krise hat die SSB zahlreiche Schutzmaßnahmen für ihre Beschäftigten umgesetzt. Dazu zählte auch, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit erhöhten gesundheitlichen Risiken zu Beginn der Pandemie kurzzeitig freizustellen. „Wir sind sehr stolz auf die Leistungen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ihre systemrelevante Aufgabe für Stuttgart sehr ernst nehmen und nach wie vor motiviert und umsichtig versehen“, erklärt die Arbeitsdirektorin Dr. Sabine Groner-Weber. 2020 zählte die SSB 3.326 Beschäftigte, 121 davon waren Auszubildende. Der Personalaufwand betrug 210,8 Millionen Euro. Ende 2020 hat es neue Tarifabschlüsse sowohl zum Entgelt als auch zum Manteltarifvertrag des BzTV-N BW (Bezirkstarifvertrag Nahverkehr Baden-Württemberg) gegeben. Der Tarif wird im Ergebnis in zwei Stufen mit 1,4 Prozent zum 1. April 2021 und 1,8 Prozent zum 1. April 2022 umgesetzt.

Im Mai 2020 wurde die Stadtbahnbrücke der U6-Verlängerung über die gesperrte Autobahn geschoben. Im September 2020 ging die als S21-Folgemaßnahme verlegte unterirdische Stadtbahnhaltestelle Staatsgalerie erstmal in Betrieb. Trotz der besonderen Situation des Jahres 2020 und der auch für das Jahr 2021 anzunehmenden besonderen Bedingungen im Nahverkehr investiert die SSB weiter in den Ausbau des Stuttgarter Nahverkehrsangebotes, in die Grunderneuerung ihrer Infrastruktur und den Ausbau umweltfreundlicher Buskonzepte. „Gut funktionierender attraktiver Nahverkehr ist für Stuttgart weiterhin ein wichtiger Teil der Lösung. Wir strengen uns an, den Stuttgartern genau das zu bieten und sind sehr zuversichtlich, dass wir zukünftig wieder viele Fahrgäste begrüßen können“, sagt dazu Thomas Moser, Technischer Vorstand und Vorstandssprecher der SSB.