Stadtbahnbetriebshof Weilimdorf
Einbindung in die bestehende Landschaft
Der Entwurf für den Betriebshof ging aus einem europaweit ausgeschriebenen Architekturwettbewerb hervor, dessen Jury am 23. Juni 2021 das Stuttgarter Büro Auer+Weber mit dem 1. Preis auszeichnete.
Ein großes Landschaftsdach fasst alle notwendigen Gebäude und Bereiche des neuen Stadtbahnbetriebshofs in Stuttgart Weilimdorf zusammen. Seine prägnante Form ist aus den funktionalen Rahmenbedingungen und seiner Situierung im Landschaftsraum heraus entwickelt.
Der Betriebshof markiert einen wichtigen Stadteingang an der Bundesstraße 295 am östlichen Rand des Gewerbegebietes Ditzingen-Ost und liegt zugleich in den Feldern nördlich des Stadtteiles Hausen. Um eine angemessene Antwort auf die unterschiedlichen Nachbarschaften zu geben, weist der Entwurf zwei unterschiedliche Seiten auf.
Zur Bundesstraße bildet das Dienst- und Sozialgebäude einen markanten Kopf aus, der das Gleisvorfeld fasst. Hier zeigt sich der Betriebshof offen, transparent und vermittelt „Mobilität durch Stadtbahn“. Nach Süden, zum Wohngebiet bettet sich die Anlage in die weiche, hügelige Landschaft ein.
Die Lage des zusätzlichen Geländes ist bewusst an der Stadtgrenze im Westen gewählt, damit der neue Standort im Zusammenspiel mit den bestehenden SSB-Betriebsstandorten im Süden (Möhringen), Mitte (Heslach) und Norden (Remseck) das Stadtbahnsystem bestehend aus Tallängs- und Querlinien bestmöglich von außen bedienen kann.
Gebäude auf dem Betriebshof
Das Herzstück des Areals bilden drei zentrale Gebäude:
Dienst- und Sozialgebäude
Das Dienst- und Sozialgebäude liegt am Auftakt des Geländes zur B295 und beherbergt hauptsächlich Büro-, Pausen- und Sanitärräume, in denen das Fahrpersonal seinen Dienst beginnt und beendet sowie der Fahrbetrieb disponiert und gesteuert wird. Es ist rund 34 Meter lang, 21 Meter breit und 7,9 Meter hoch und verfügt über eine Bruttogrundfläche von ca. 1.600 m² und einen Bruttorauminhalt von 6.300 m³. Die Nutzung verteilt sich auf drei Geschosse: Im Untergeschoss befinden sich Technikräume, im Erdgeschoss Büro-, Besprechungs- und Pausenräume. Das Obergeschoss beherbergt WC-Anlagen, Duschen, Umkleiden, einen Ruhebereich sowie Räume zur Vorhaltung für autonomes Fahren und einen Stellwerksraum. Die Konstruktion besteht aus Ortbeton im Untergeschoss und Treppenhaus, einer gedämmten Bodenplatte aus Beton sowie Decken, Wänden und Dach in Holzkonstruktion. Die Fassade ist als vorgehängte Profilglas-Fassade mit integrierten Fenstern und außenliegendem Sonnenschutz ausgeführt.
Wasch- und Wartungshalle
Die Wasch- und Wartungshalle umfasst Werkstätten, Büros, Lagerflächen und Sanitärräumen für die Mitarbeiter sowie drei Durchfahrtsgleisen – darunter ein Waschgleis- auf denen die Stadtbahnen für die tägliche Inbetriebnahme gewartet und gereinigt werden. Sie misst 101 Meter in der Länge, 37,5 Meter in der Breite und ebenfalls 7,9 Meter in der Höhe. Sie bietet eine Bruttogrundfläche von 7.650 m² und einen Bruttorauminhalt von 40.350 m³. Im Untergeschoss befinden sich Technikräume, eine Unterflur-Montagegrube sowie Räume für die Brandschutzeinrichtungen. Das Erdgeschoss umfasst Büros, Lagerflächen und eine Mitarbeiterwerkstatt. Der große Hallenbereich wird als Werkstatt für Stadtbahnen genutzt und ist mit einem Waschgleis ausgestattet. Im Obergeschoss sind weitere Büros, Sanitärräume und Pausenräume untergebracht. Die Konstruktion besteht aus einer gedämmten Bodenplatte, tragenden Wänden, Decken und Stützen aus Ortbeton oder Fertigteilen. Die Fassade entspricht der des Sozialgebäudes. Eine Falttoranlage auf den drei Gleisen ermöglicht die Ein- und Ausfahrt im Norden und Süden.
Abstellhalle
Die Abstellhalle mit Platz für bis zu 47 Stadtbahnen auf 10 Gleisen, die eine Fläche von insgesamt 9.700 m² belegen, ist mit 227 Metern Länge, 46 Metern Breite und 7,9 Metern Höhe das größte Gebäude auf dem Gelände. Sie bietet eine Bruttogrundfläche von 9.700 m² und einen Bruttorauminhalt von 77.650 m³. Im Erdgeschoss befinden sich Abstellflächen für bis zu 47 Stadtbahnen, Technikräume sowie ein Treppenhaus zum Dach. Die Konstruktion besteht aus Betonfertigteilen und Ortbeton, mit Drehtoren an beiden Enden. Die Halle ist in drei Brandabschnitte unterteilt, die durch Brandwände getrennt sind, die über Dach geführt werden.
Nebst dieser drei Gebäude wird ein Unterwerk als untergeordnetes Bauwerk auf dem Betriebshof platziert. Es versorgt den gesamten Betriebshof sowie die angeschlossene Strecke mit dem benötigten Strom. Es besteht aus sieben Trafokammern und ist als erdüberdeckte Stahlbetonkonstruktion mit einer Länge von 27,2 Metern und einer Tiefe von 9,7 Metern ausgeführt. Die Bruttogrundfläche beträgt 264 m², der Bruttorauminhalt 1.050 m³.
Dachlandschaft
Ein besonderes architektonisches Merkmal ist die gemeinsame Dachlandschaft, die sich über alle drei Hauptgebäude erstreckt und das Ensemble in der Landschaft integriert. Mit einer maximalen Länge von 332 Metern und einer Breite von 101,8 Metern umfasst sie eine Fläche von rund 18.500 m². Die Dachkonstruktion besteht über den Gebäuden aus Stahlbeton, während die auskragenden Bereiche und die Verbindungen zwischen den Gebäuden in Holzkonstruktion ausgeführt sind. Die Konstruktion kombiniert Beton- und Holzelemente und erfüllt höchste Nachhaltigkeitsanforderungen bei gleichzeitig sehr hohen Brandschutzstandards. Das Dach ist mit einer Photovoltaikanlage (4.300 m², 2.150 Module), Wartungswegen sowie extensiver und intensiver Begrünung ausgestattet. Es dient als Retentionsdach mit verzögerter Regenwasserableitung und leistet damit einen wichtigen Beitrag zum nachhaltigen Bauen.
Verkehrsanlagen
Das Betriebsgelände ist im Norden über das Streckengleis der U13 angebunden. Das Gleis teilt sich in zwei Gleisharfen mit insgesamt 14 Gleisen – vier für die Werkstatthalle und zehn für die Abstellhalle. Im südlichen Bereich der Werkstatthalle befinden sich vier weitere Rangier- und Abstellgleise. Westlich davon entsteht eine Rasenschotterfläche mit fünf Stellplätzen sowie einem Anlieferungsbereich für LKWs zur Werkstattversorgung.
Für Mitarbeitende und Besucher stehen Stellplätze zur Verfügung. Dabei berücksichtigt werden auch Fahrradstellplätze sowie eine Ladeinfrastruktur zum Laden von Elektrofahrzeugen.
Brandschutz und Nachhaltigkeit
Ein großes Augenmerk bei der Planung obliegt dem Brandschutz, der in sehr enger Abstimmung mit der Berufsfeuerwehr Stuttgart geplant wurde. Dabei wurden nicht nur die gängigen Brandschutzverordnungen, die verwendeten Materialien, die technischen Möglichkeiten und taktischen Einsatzabläufe der Feuerwehr betrachtet, sondern auch die innerbetrieblichen Anforderungen und das Risikomanagement der SSB.
Ein weiteres, wichtiges Feld in der Planung war der Umgang mit Ressourcen und Energie. Die Gebäude werden CO2-neutral geplant und parallel zertifiziert nach den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB). Der Betrieb des Betriebshofs wird ab Inbetriebnahme vollständig klimaneutral sein.
Kontakt zum Projektteam
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