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Am 14. September: Seilbahn macht mit beim Tag des offenen Denkmals –

74/2025 · 21. August 2025
Technikführung in den „Keller“ 
„Wert-voll: unbezahlbar oder unersetzlich?“, so lautet das diesjährige Motto beim bundesweiten Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 14. September. Das klingt fast wie gemünzt auf die Heslach-Degerlocher Seilbahn der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB): Die war zwar anno 1914 im schönsten Jugendstil geplant worden, mit türmchengeschmückten Stationsgebäuden und dekorativ verzierten Wagen, um der Wohlhabenheit, wirtschaftlichen und gestalterischen Potenz der Landeshauptstadt sichtbaren Ausdruck zu geben. 
Doch der Erste Weltkrieg machte dem Bau zunächst den Garaus. Erst 15 Jahre und unzählige Planungsvarianten weiter kam die kleine Schienenseilbahn dann im Jahr 1929 doch noch endlich aufs Gleis: nunmehr schlicht, bescheiden und unauffällig, mit möglichst kurzer Streckenlänge und geringstem Eingriff ins Gelände. Nicht nur die reine Funktion bei geringsten Kosten hatte nun Vorrang – der vollzogene gesellschaftliche Wandel und die wirtschaftliche Not während und nach dem Krieg legte es nun einer Kommune nahe, bei öffentlichen Bauten gezielt Zurückhaltung zu zeigen. Schließlich war der nüchterne, rationelle, zeitlose Baustil, dennoch nicht ohne Eleganz, bereits zum Markenzeichen dieser neuen Epoche geworden. 
Den Wert dieser Bahn – nämlich ihren kulturellen Wert – zeigte das Landesdenkmalamt im Jahr 1986 auf, als es sie unter Denkmalschutz stellte. Den zweiten Beweis – für den gesellschaftlichen Wert für die Stadtbevölkerung – lieferte 2003 der Schwäbische Albverein, Ortsgruppe Heslach, indem er mehrere Tausend Unterschriften für den Erhalt der Seilbahn vorlegte. Und unersetzlich ist sie auch: Eine Anbindung des Waldfriedhofs mit Linienbussen wäre betrieblich aufwändiger. 
Wie es 1929 die Planer der SSB und die Konstrukteure der Maschinenfabrik Esslingen (ME) geschafft haben, durch einen Sprung im technischen Fortschritt den Gutteil der Betriebskosten einzusparen und die Heslacher Seilbahn doch möglich zu machen, erläutert Rüdiger Walz, der Betriebsleiter, bei seinen Führungen am Tag des offenen Denkmals. Er zeigt auch, mit welchen neuen technischen Finessen es 2004 gelungen ist, dass die Bahn für das 21. Jahrhundert fit gemacht werden konnte. Heute ist ‚Stuttgart Cable Car‘ fast schon eine internationale Touristenattraktion. 

Standseilbahn (Seilbahn auf Schienen) 
Heslach (Südheimer Platz) – Degerloch (Waldfriedhof): 

Technikführung (Maschinenraum in der Bergstation): am Vor- und Nachmittag in Kleingruppen etwa alle 45 Minuten, Dauer gut 30 Minuten. Auch Einzelpersonen können teilnehmen. Enger Raum, steile Treppe - griffige Schuhe sind nötig. Teilnahme (kostenlos) nur nach Voranmeldung über die Netzseite
tag-des-offenen-denkmals.de oder
https://www.ssb-ag.de/unternehmen/informationen-fakten/fahrzeuge/seilbahn/

Wer über den Südheimer Platz kommt, muss rechtzeitig mit der Seilbahn bis zur Bergstation fahren. 
Bergstation | Eugen-Dolmetsch-Straße/Am Waldfriedhof 6, vor dem Haupteingang zum Waldfriedhof rechterhand. 
Abfahrt | Die Heslacher Seilbahn (Linie 20) fährt täglich, nicht nur am Denkmalstag. Alle 20 Minuten (Minute 10, 30 und 50) von 9 bis kurz vor 18 Uhr. Bei großem Andrang zusätzliche Fahrten. 
Tarif | Es gilt der VVS-Tarif. Einfache Fahrt: Ziel Waldfriedhof eingeben oder Kurzstrecke lösen. Wer schon eine für die Zone 1 gültige VVS-Tages- oder Zeitkarte hat, kann mit dieser auch auf der Seilbahn fahren. Es gilt das Deutschland-Ticket. Ebenso gelten Regionalangebote wie das Baden-Württemberg-Ticket und das Metropolticket.

STANDSEILBAHN | Die Wagen einer Standseilbahn stehen und fahren auf Schienen, im Gegensatz zu einer Schwebeseilbahn, deren Gondeln durch die Luft gezogen werden. Die Standseilbahn arbeitet nach dem Prinzip des gegenseitigen Gewichtsausgleichs, wie die Eimer an einem Ziehbrunnen. Sie ist daher ein sehr energieeffizientes Verkehrsmittel. Die Urform der Standseilbahn ist die schon aus dem Spätmittelalter bekannte Baustellenseilbahn, „Bremsberg“ genannt. Baden-Württemberg ist mit sieben solcher Betriebe das Land der Standseilbahnen. Nur Österreich und Schweiz haben noch mehr.