Neu: SchauPlatz Charlottenplatz und neu gestaltetes Straßenbahnmuseum

Vom UnOrt zum SchauPlatz

Fahrgäste der Stadtbahnen der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) werden in der zentralen Haltestelle Charlottenplatz künftig vielleicht freiwillig mehr Zeit verbringen. Denn dort wurde am 28. Juli eine historische Ausstellung eröffnet: SchauPlatz nennt sich die neue, dauerhaft installierte Informationskette. Sie widmet sich einem Thema, das auch schon seit gut 30 oder eigentlich schon rund 50 Jahren zur Chronik des Nahverkehrs in Stuttgart gehört: die Geschichte des Verkehrsmittels Stadtbahn in der Landeshauptstadt – und die Historie des Verkehrsbauwerkes Charlottenplatz.

Für Name, Ort und Zeitpunkt der Eröffnung der Ausstellung gibt es gute Gründe: Hier begann vor 150 Jahren, am 28. Juli 1868, der Pferdebahnbetrieb nach Berg und damit die Geschichte des Verkehrsunternehmens. An diesem Punkt nahm aber auch die Tradition der modernen SSB ihren Ausgang, denn der Charlottenplatz war die erste unterirdische Straßenbahnhaltestelle in Stuttgart. Es ist dies der Ausgangspunkt des heutigen Stadtbahnsystems.

An dieser historischen Stätte wird nun genau am Jubiläumstag der SSB ein kleines historisches Museum eröffnet: der SchauPlatz. Verteilt auf die gesamte Stadtbahnhaltestelle werden anhand von Texten, Bildern, Plänen und dergleichen verschiedene Aspekte des Verkehrsbauwerks Charlottenplatz dargestellt, wie etwa die Planung und der Bau sowie die Gestaltungselemente der unterirdischen Anlage. Breiten Raum nimmt die Geschichte der Stadtbahn ein, wobei Stuttgart zwar im Mittelpunkt steht, aber auch größere Zusammenhänge hergestellt werden. An mehreren oberirdischen Zugängen der U-Haltestelle wird außerdem das städtebauliche Umfeld des Platzes vorgestellt; dort befinden sich auch Wegweiser für die Nutzung des SchauPlatzes.

Die historische Ausstellung ist ein dauerhaftes und kostenloses Angebot an die vielen tausend Fahrgäste der SSB, die hier täglich um- und aussteigen. Es richtet sich jedoch auch an die unzähligen Passanten, die das unterirdische Bauwerk nur zur Querung nutzen. Der SchauPlatz ist aber auch eine Einladung, diesen zumeist als wenig anziehend empfundenen Ort als vielleicht nicht schönes, aber wichtiges und interessantes Zeugnis der Stadt-  und Verkehrsgeschichte zu verstehen. In der bisher 150jährigen Geschichte der SSB ist der Charlottenplatz in seiner Bedeutung kaum zu überschätzen. Er war dabei stets weniger Un-Ort als vielmehr SchauPlatz.

Eine neue Welt: Jetzt „Straßenbahnmuseum Stuttgart“ – Auch dort neue Ausstellung – Be-greifbare Didaktik

Vor fast zehn Jahren, im Juli 2009, wurde in Bad Cannstatt die Straßenbahnwelt Stuttgart eröffnet. Hier wird auf rund 2500 Quadratmetern Ausstellungsfläche die Geschichte der SSB und ihrer Vorgängerunternehmen lebendig. Nicht zuletzt geschieht das mit einer großen Sammlung historischer Fahrzeuge, die den Zeitraum von 1868 bis zum Ende der traditionellen Straßenbahn im Jahr 2007 abdeckt.

Das 150jährige Straßenbahnjubiläum in Stuttgart, als drittältester Betrieb dieser Art in Deutschland, ist ein mehr als guter Grund, das Museum aufzufrischen. Dies betrifft zum einen die teilweise Neugestaltung der schon bestehenden Dauerausstellung. Dabei handelt es sich nicht um bloßes Design, sondern um die noch bessere Vermittlung der vielfältigen historischen Inhalte rund um das Thema Nahverkehr. Unter anderem werden den Besucherinnen und Besuchern bestimmte technische Sachverhalte mit entsprechender Didaktik buchstäblich nähergebracht.

Zum anderen werden im Zuge der der Umgestaltung auch neue Inhalte präsentiert. Dabei handelt es sich etwa um das Thema Pferdbahnbetrieb, um die bis heute für die Entwicklung der SSB so wichtige Filderbahn sowie um Fragen der Sozialgeschichte des Unternehmens. Ebenfalls neu ist die nähere Beschäftigung mit den Themen Fahrgäste und Tarife, außerdem gibt es erstmals eine Art Überblick über die allgemeine Firmengeschichte der SSB.

Die Neugestaltung fand unter maßgeblicher inhaltlicher Beteiligung des Vereins Stuttgarter Historische Straßenbahnen (SHB) statt. Zusammen mit der SSB ist der Verein auch Betreiber des Museums. Seit Beginn der Museumserneuerung bis zur Neueröffnung wurden von den ehrenamtlich tätigen Vereinsmitgliedern viele hundert Stunden an Arbeit geleistet.

Die Veränderungen im Museum finden ihren äußeren Ausdruck in der Einführung eines neuen Namens für das Haus: Am 28. Juli 2018 wird aus der bisherigen Straßenbahnwelt Stuttgart das Straßenbahnmuseum. Dieser Name steht künftig gut sichtbar auf einer aus Cortenstahl gefertigten Stele im Eingangsbereich. Diese Stele wird an diesem Tag, genau 150 Jahre nach der ersten Fahrt einer Pferdebahn in Stuttgart, von der Kaufmännischen Vorständin der SSB, Stefanie Haaks, feierlich enthüllt.

Neu sind auch die Öffnungszeiten des Museums ab 1. August: Mittwochs und donnerstags schließt es nun bereits um 16 statt um 17 Uhr. Dafür nimmt die Nachfrage sonntags zu, so dass nun sonntags die Tore nicht nur bis 17 Uhr, sondern bis 18 Uhr geöffnet sind. Somit haben Fahrgäste, die mit der letzten Runde der Oldtimerlinie 23 gegen 16.40 Uhr ankommen, noch genügend Zeit für einen abschließenden Bummel durch die Ausstellung, zumal der Eintritt ins Museum im Fahrpreis der Oldtimerlinie enthalten ist.

Straßenbahnmuseum Stuttgart
70372 Bad Cannstatt, Veielbrunnenweg 3
Historisches Straßenbahndepot der SSB von 1929
Fünf Gehminuten vom Bahnhof Bad Cannstatt (S-Bahn und Regionalexpress)
Geöffnet: Mittwoch 10 – 16 Uhr | Donnerstag 10 – 16 Uhr | Sonntag 11 – 18 Uhr
34 Großexponate, 2500 Quadratmeter Ausstellungsfläche, 14.000 Besucher pro Jahr, rund 40 gebuchte Veranstaltungen. Verpflegung im originellen „Cafe Meterspur“.
Das Museum eignet sich auch für Firmenveranstaltungen, Trauungen, Musikaufführungen und private Feste.

Oldtimer-Straßenbahnlinie 23
Straßenbahnmuseum Bad Cannstatt – Mittnachtstraße (Nordbahnhof) – Schlossplatz - Charlottenplatz – Eugensplatz - Bubenbad - Ruhbank (Fernsehturm)
Jeden Sonntag, jeweils drei Abfahrten 10.32 + 13.02 + 15.02, einfache Fahrt ca. 40 Minuten. Sondertarif, Fahrscheine beim Schaffner. Zustieg unterwegs möglich. Sonderfahrten für Gruppen möglich, ebenso individuelle Sonderfahrten mit historischen SSB-Omnibussen durch Stadt und Region.  
Veranstalter: Verein Stuttgarter Historische Straßenbahnen (SHB) in Zusammenarbeit mit der SSB
www.shb-ev.net
www.ssb-ag.de/Erleben/Straßenbahnmuseum